Sonntag, 25. Oktober 2026

 

Sonntag, 25.10.20026 

Auch wenn auf dem Land bereits die ersten Pflanzungen getätigt wurden und die Menschen deshalb auf Regen warten, scheint sich die Regenzeit noch etwas gedulden. In unserer Gegend war der Niederschlag bis jetzt kaum der Rede wert und die Mission Kola meldete, dass seit unserer Abreise kein Tropfen mehr gefallen sei. Was geblieben ist, ist die für diese Jahreszeit grosse Hitze mit intensiver Sonneneinstrahlung Auch hier verändern sich die Gewohnheiten der Natur. 

Auch unsere Woche verlief nicht wie geplant. Am Mittwochmorgen wollten wir eigentlich nach Malongo, um auf dieser Station die Malerarbeiten für das Knabeninternat abzuklären und anschliessend weiter nach Cubal, wo wir einen Blick auf das vor 3 Jahren renovierte Internat werfen wollten. Auf dem Rückweg hatten wir noch einen Abstecher zur Mission Lukondo geplant, in deren Umgebung die Chinesen nach seltenen Erden graben, weshalb die Regierung die Bevölkerung, welche dort seit Generationen das Land bebaut und Vieh hält. umsiedeln wollte. Nur dank der Mission konnte die Zwangsumsiedlung bis jetzt verhindert werden. 

Leider war unsere Reise nach einer guten Stunde Fahrt abrupt zu Ende. Beim Überholen eines Camions gab der Motor ein lautes knackiges Geräusch und der Wagen verlor an Geschwindigkeit. Nachdem Willi das Auto sofort an den Strassenrand manövriert hatte, mussten wir feststellen, dass der Motor massiv überhitzt war trotz normaler Temperaturanzeige und obwohl Willi - wie immer vor einer Reise – Wasser- und Ölstand seriös kontrolliert hatte. Nach Abkühlen konnten wir denn auch feststellen, dass der Wassertank noch voll war, hingegen zeigte sich ein Riss im Keilriemen, der den Ventilator antreibt. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Reise abzubrechen. Zum Glück gibt es jetzt bereits einen Autoabschleppdienst und wir befanden und noch auf einer asphaltierten Durchgangsstrasse. So wurde nach einer 3-stündigen Wartefrist unser Auto aufgeladen. Tarcisio fand in der Führerkabine des Abschleppautos Platz und Willi und ich kletterten nochmals in den Landcruiser und genossen so die Heimfahrt etwas von oben. Dass der von uns festgestellte Schaden nicht die Hauptursache war, stellte anschliessend der Mechaniker fest. Der für die Funktion des Motors verantwortlich Zahnriemen war total zerfetzt und dies obwohl er termingerecht vor einiger Zeit ersetzt worden war. Wieso die entsprechende Alarmanzeige nicht funktioniert hat, bleibt ein Rätsel. So müssen wir nun mit einer grossen Reparatur rechnen. Übrigens die grosse Delle seitlich stammt von einem wahrscheinlich Betrunkenen (wir wissen, dass er vorher in der Bar verkehrt hat), der bei einem Rückwärtsmanöver mit voller Wucht in unser parkiertes Auto geprescht ist und anschliessend mit überhöhter Geschwindigkeit das Weite gesucht hat. Leider bringt eine Anzeige bei der Polizei gar nichts. Gleich wie bei einem Diebstahl oder Einbruch würde alles fein säuberlich protokolliert und dann geschieht weiter nichts mehr. Zudem hätte der Verursacher wahrscheinlich keine Versicherung und fraglich ist auch, ob er das Auto überhaupt gelöst und jemals eine Fahrprüfung absolvierte hat. Man hat manchmal schon das Gefühl, dass das Land immer mehr im Chaos versinkt. In dieser Richtung spricht auch die Tatsache, dass die Mauern, die Privatbesitz und Siedlungen umgeben analog zur Armut erhöht werden. 

Andererseits gibt es doch auch wieder positive Beispiele. So unterstützen wir jetzt doch auch junge Burschen, die Elektriker und Informatiker studieren, eine Ausbildung, die vor 10 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Auch Physiotherapie und Laborantin sind nun möglich zu erlernen sowie eine Ausbildung im Bauwesen. Gestern hat sich Willi in er portugiesischen Firma Informationen über Solaranlagen geholt und dabei gesehen, dass daselbst in einem erweiterten Geschäftsraum ein Kurs in dieser Richtung stattfand, der von einer grösseren Gruppe junger Männer besucht wurde. Auch positiv zu bewerten ist, dass das riesige Feld, auf welchem sämtlicher Abfall der Stadt deponiert wurde (Angola hat noch keine Kehrichtverbrennungsanlage) eingeebnet wurde und darauf ein Solarfeld aufgestellt wird.  

Für uns heisst es morgen bereits die Rückreise antreten. Ob wir im Frühling ein Jahresvisum erhalten, steht noch in den Sternen. Böse Zungen behaupten, die Regierung hüte sich vor ausländischer Einflussnahme auf die Wahlen im nächsten Jahr, da sie sowieso schon auf wackligen Füssen steht.

Ich werde mich mit einem Rundbrief wieder melden-

 




Sonntag, 18. Oktober 2026

 

Sonntag, 18. Oktober 2026

Gestern begleitete ich Willi zum Einkauf in die Stadt. Als erstes fuhren wir ganz an das andere Ende der Stadt zu einem chinesischen Geschäft mit einem recht breiten Angebot an Mechanik und Automobilzubehör, um eine neue Batterie für unseren Lastwagen zu erstehen. Auf dem Rückweg hielten wir beim Libanesen an, welcher in seinem recht rudimentären Laden alles Mögliche führt, von Schrauben und Nägel über sanitäre Artikel wie auch solche für den Elektrobereich und vieles mehr, wo wir auch Farbe kauften für einen neuen Anstrich im Knabeninternat der Mission Malongo. Als guter Kunde wurden Willi und ich herzlich begrüsst, allerdings reicht der Besitzer mir als Frau als praktizierender Muslim nie die Hand, stellte mir aber gleich einen Stuhl hin. Ich denke, dass die beiden Einkäufe auch ein wenig die Besitzverhältnisse von Angola aufzeigen, denn eigentlich besitzen Angolaner nur sehr wenige Geschäfte, die meisten sind in den Händen von Libanesen, Marokkanern, Vietnamesen und natürlich Chinesen, ausser zwei Supermarktketten, die einigen «Grossen» in Luanda gehören, während ein Supermarkt zu einer südafrikanischen Kette gehört. Daneben existieren nur wenige portugiesische Geschäfte und im ganzen Land gerade mal zwei internationale Firmen. 

Nun aber zu unserem Besuch auf der Mission Kola, zu welcher wir am letzten  Sonntag früh morgens aufgebrochen sind. Leider hatten wir bereits auf der Asphaltstrasse einen Pneuwechsel und dies ausgerechnet, wo wir ausnahmsweise nur ein einziges Ersatzrad mitführten! Die 40 km «Piste» von Kalukuembe nach Kola bestehen vorwiegend aus roter Erde und Sand und sind in einem äusserst bedenklichen Zustand. Zum Glück herrschten noch trockene Verhältnisse, denn bei Regen verwandelt sich der Weg in eine gefährliche Matchlandschaft; die vielen Schlaglöcher und teils metertiefen Gräben, die oft weit in die Strasse reichen, machen das Ganze auch nicht einfacher, vor allem darfst du dann im Match nicht abrutschen. Die Flussüberquerung ging aber noch recht gut, da der Fluss nur wenig Wasser führte und mit Ästen und Steinen eine Passage errichtet worden war. 

Auf der Mission selbst haben wir die wichtigsten Renovationsarbeiten eingesehen u.a. den Bau einer Küche, denn die alte zählt bereits über 70 Jahre und weist vor allem Kriegsspuren auf, da die Mission während dieser Periode eine Zeitlang verwaist war und das Militär darin hauste. Im Weiteren klärten wir den Bedarf für Duschen und WC’s im Mädcheninternat ab. Abzuklären gilt es wie immer natürlich auch, wie weit unser Budget reicht.

Ganz besonders möchte ich aber noch den herzlichen Empfang bei unserer Ankunft erwähnen, welchen die Mädchen spontan mit einem Willkommensgesang unterstützten. Hier spüren wir immer, dass wir nicht nur unserer Arbeit wegen, sondern auch als Menschen sehr geschätzt sind. 

Dass der Regen in der ersten Nacht sowie das Gewitter am zweiten Abend, das allerdings bei uns ohne Regen vorbeigezogen war, uns noch ein wenig Probleme bereiten könnten, mussten wir am kommenden Morgen feststellen, als wir anlässlich unserer Rückreise den Fluss erreichten, der bereits Wasser führte und einen Teil der Passage weggeschwemmt sowie die Uferböschung unterspült hatte, was ein direktes Übersetzen nicht zuliess. Das Schöne in Afrika ist, dass sofort alle, die sich in der Nähe befinden mit anpacken. So versuchten die Helfer, wieder einigermassen eine Passage herzustellen, was aber nur schlecht gelang. Vor allem die Unterspülung der gegenüberliegenden Uferböschung machte uns etwas Probleme, so dass Willi ein wenig seitlich der kritischen Stelle vorbeisteuerte und prompt in der nassen Erde stecken blieb. Doch mit vereinten Kräften gelang es, auch diese Stelle zu überwinden und die steile Böschung hinaufzukommen.

 

Küche


 




 


Passage bei der Hinfahrt


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                                    steckt in der nassen Erde

Passage bei der Rückfahrt



Samstag, 10. Oktober 2026

 

Samstag, 10. Oktober 2026 

Ursprünglich hatten wir geplant, so rasch wie möglich nach unserer Ankunft hier zur Mission Kola zu fahren, um noch vor den ersten schweren Regenfällen auch problemlos? den Fluss zu durchqueren- Doch musste unser Landcruiser vor dieser Fahrt noch überholt werden. So fahren wir morgen, weshalb ich euch heute kurz berichten möchte. 

Nach einigen Monaten Aufenthalt in der Schweiz fallen uns die Unterschiede dieser zwei Länder wieder vermehrt ins Auge. Gegebenheiten, die bei längeren Aufenthalten hier allmählich zum Alltag gehörten, sind plötzlich wieder schwieriger als gegeben zu akzeptieren. Ich denke da vor allem an die miserablen Lebensbedingungen, unter denen ein Grossteil der Bevölkerung lebt. Wir realisieren dies auch, weil mehr Menschen um Unterstützung bitten für alltägliche notwendige Dinge sowie u.a. auch zur Verbesserung ihrer Wohnsituation. So klagt z.B. Hilario dass er dringend 4 neue Wellbleche für sein Haus bräuchte, damit er und seine Familie in der kommenden Regenzeit vor Nässe geschützt seien: Ich hätte ihm entgegnen können: Du hattest aber genügend Zeit, dies während der vergangenen Trockenperiode zu reparieren. Gleichzeitig weiss ich aber, dass er mit seinem Gehalt kaum seine Familie ernähren kann. Und Hilario ist nicht der Einzige. So kommen täglich neue Bittsteller, die beim besten Willen das Geld für die nötigen Reparaturen nicht aufbringen können. Unter ihnen ist auch Joana. In einem kleinen Anbau hatte sie ihr Nähatelier eingerichtet, mit welchem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Leider wurde dieses Gebäude bei einem der Stürme Ende der letzten Regenzeit zerstört. Was davon übriggeblieben ist, zeigt das Foto. Seitdem arbeitet sie in einem winzigen dunklen Zimmer, wo sie auch schläft. Unterstützen können wir in einzelnen Fällen, wo es die Not absolut erfordert, nur mit Baumaterial, die Arbeiten müssen von den Betroffenen selbst ausgeführt werden. 

Vergangene Woche haben wir mit allen unseren 25 Jugendlichen, die auch dank euerer Unterstützung weiterführende Schulen besuchen, Gespräche geführt. Es ging u.a. darum abzuklären, um wieviel sich die Schulgebühren und Transportkosten erhöht haben. Dabei haben wir sie auch erneut auf die Bedingungen unserer Unterstützung hingewiesen. Es sind schöne Momente zu sehen, wie sich die jungen Menschen entwickeln in der Hoffnung auf eine Perspektive in ihrem Leben. 

Einer für Willi und mich positiver Aspekt in Afrika ist der Respekt vor dem Alter. Wenn wir auch von Fremden mit Mama und Vater angesprochen werden, deutet das keineswegs auf Unhöflichkeit, sondern ist ebenfalls respektvoll. Auch an offizieller Stelle werden wir als ältere Personen oft mit Vorzug behandelt, so kürzlich in einer sehr modernen Apotheke wo wie in der Schweiz beispielsweise auf der Post beim Eintreten eine Nummer gezogen werden muss. Doch der Türsteher nahm mir gleich den Zettel aus der Hand und reichte mir einen mit der Aufschrift für den Schalter Priority, wo gleich auch aufgerufen wurde. Allerdings hat dieser Respekt auch eine Kehrseite, denn einer älteren Person darf eigentlich nicht widersprochen werden. Ein Beispiel dazu: Auf einer unserer Missionsstationen bat uns ein junger initiativer Pater um eine Maismühle, damit die Menschen der Umgebung nicht mehr den weiten Weg zur nächsten Mühle zurücklegen müssten, Zudem könnte die Mission auch ein klein wenig finanziell davon profitieren. Der Missionsobere aber fand, dass er dieses Geld dringend für die Wiederinstandstellung des Autos bräuchte. Da nun Willi der Verwalter dieses Betrages war, wurde die Maismühle installiert und die Menschen der Umgebung sowie die Mission profitieren davon. Der Jüngere hätte keine Chance gegen den Oberen gehabt ohne die Unterstützung von Willi.

 


                                                                Überreste von Joanas Anbau 

                                                                nachfolgend Wohnsituation von vielen






Sonntag, 4. Oktober 2026

 

Sonntag, 4. Oktober 2026 

Ja, wir sind tatsächlich wieder in Mapunda. Nachdem wir uns monatelang vergeblich um ein Jahresvisum bemüht haben und schlussendlich vom Konsulat in Bern erfahren haben, dass seit letztem Jahr nur noch Konsulate von weltweit 7 Ländern berechtigt sind, ein Visum mit längerer Aufenthaltsdauer auszustellen, sind wir nun mit einem 30-tägigen Touristenvisum hier. 

Dass wir uns hier wieder in einem ganz anderen Ambiente aufhalten, wurde uns spätestens am Tag nach unserer Ankunft bewusst, als wiederum auf dem Weg zum Flughafen um unsere 3 vermissten Koffer abzuholen das Verkehrschaos Willis äusserste Konzentration erforderte. Nachdem wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause fuhren, weil das Büro am Flughafen nur gleichzeitig mit dem Check in geöffnet hat und dies das nächste mal erst um 18 Uhr war, meinte Elisabeth lapidar: Jetzt seid ihr wieder in Angola angekommen. Was die vermisstenn Koffer betrifft, waren wir natürlich schon etwas besorgt, befanden sich darin doch auch Medikamente für P. Viktor sowie technische Bestandteile für verschiedene Reparaturen u.a. kleine, aber wichtige Ersatzteile für unseren Landcruiser.

Zu den Koffern gibt es noch eine weitere kleine Episode. 2 Tage vor unserer Abreise rief ich unseren Freund Ralph an, welcher auch 2 Jahre in Angola als Onkologe im evangelischen Missionsspital Cristo Rei gearbeitet hat. Ganz erfreut meinte er, dass er mich auch gleich angerufen hätte, da er eine Anfrage von Dr. Anneliese aus dem genannten Spital erhalten habe, weil sie dringend Medikamente bräuchte für ein krebskrankes Kind und ob er niemanden wüsste, dem er so was mitgeben könnte. So konnten wir vor unserer Abreise die Medikamente noch entgegennehmen. Da ein Teil davon gekühlt werden musste und ein entsprechendes Transportmittel vom Volumen her zu gross für einen Koffer gewesen wäre, haben wir selbst eine Schachtel mit Sagex und Kühlelementen ausgekleidet. Um Platz zu schaffen im Koffer, musste allerdings etwas weniger Wichtiges zu Hause bleiben. Nun aber zur positiven Fügung. Dies war der einzige Koffer, den wir nach unserer Landung vom Band nehmen konnten. Die Kühlkette wurde somit kaum unterbrochen und die Medikamente sind schon im Einsatz. 

Da unser Aufenthalt hier bekanntlich begrenzt ist, habe ich gleich die Jugendlichen für deren Ausbildung wir aufkommen, hierher bestellt. Von verschiedenen wussten wir bereits, dass sich Schulgebühren und Transporte zur Schule erhöht haben. Glücklicherweise hatten wir vorsorglich anlässlich unseres letzten Aufenthaltes hier im Frühling allen das erste Semester des kommenden Schuljahres bezahlt, somit konnten alle problemlos starten nach den Sommerferien. Aber es hat mich schon etwas in Schreck versetzt, um wieviel die Gebühren an sämtlichen Institutionen gestiegen sind, wie auch die Transportkosten , auch wenn der Treibstoff im Vergleich zur Schweiz noch billig ist. Doch auch hier steigen deswegen die Lebenskosten.

Sonntag, 19. April 2026

 

Sonntag, 19. April 2026

 

Strahlender Morgen – und dies seit einer Woche. Die Trockenzeit scheint endgültig angebrochen zu sein, was allerdings ein letztes einzelnes Gewitter nicht ausschliesst. Die extremen Niederschläge der letzten Zeit haben wirklich spürbare Schäden hinterlassen. So muss die Küstenstadt Benguela 18 Tote beklagen nebst Zehntausenden Obdachlosen, die ihr ganzes Hab und Gut verloren haben und nun in Zelten notdürftig Unterschlupf finden. Aber auch hier mussten wir einigen wenigstens für die allernötigsten Reparaturen ihrer Häuser (Hütten)unter die Arme greifen. Auch wenn es für uns eigentlich logisch erscheint, dass nun in der Trockenzeit sofort mit den nötigen Reparaturen und Instandstellung der Häuser begonnen würde, atmen die Menschen vorerst erleichtert auf und geniessen vorerst die sonnigen Tage, denn woher sollten sie auch die notwendigen Finanzen nehmen wenn das Geld kaum für den Lebensunterhalt reicht. Wie viele von ihnen sind doch nur in letzter Zeit mit einem Rezept für Medikamente bei uns vorbeigekommen, weil ohne unsere Unterstützung das Rezept einfach im Abfall gelandet wäre. Und keine von den über 20 Schüler/innen, Studenten/innen, die wir betreuen, könnte das nächste Studienjahr aus eigenen Mitteln berappen. Allein schon der Weg zur weiterführenden Schule oder Universität hat sich massiv verteuert. Nur wenige Privatschulen oder Unis besitzen einen Schulbus. Die meisten Studierenden nehmen sich ein Töfftaxi; die Kosten dafür haben sich seit dem letzten Jahr fast verdoppelt, so dass sie oft die Ausgaben für das Studium übersteigen.

 

Diese Töfftaxis gehören nebst den Toyota-Minibussen, die es ebenfalls zu Hunderten gibt, zum öffentlichen Verkehr. Der Vorteil ist, dass man sie fast überall anhalten und wieder Aus- oder absteigen kann. Leider respektieren diese, vor allem die Mopeds, von denen es fast wie Sand am Meer gibt, weder die vereinzelten Ampeln noch irgendwelche andere Verkehrsregeln, was den gesamten Verkehr noch chaotischer macht. Um mit diesem Metier etwas zu verdienen, sind die wenigsten Mopeds versichert, viele nicht einmal gelöst. Allzu viele Männer versuchen, oft mit Kredit der halben Verwandtschaft diesen Weg einzuschlagen, um so der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Meist sind es jedoch die Frauen, die die Familie durchbringen müssen. Sie verdienen das Nötigste als Strassen- oder Marktverkäuferinnen oder als Wasch- und Putzfrauen bei besser Gestellen oder wenige auch im Steinbruch, wo sie in harter Handarbeit Steiner zu Split zerklopfen.

 

Das grosse Ereignis dieser Tage ist jedoch eindeutig der Papstbesuch, zu welchem mehr als 200'000 Menschen erwartet werden. Gestern nach Ankunft des Papstes säumten sie zu Abertausenden über Kilometer weit beidseitig die Strasse, um dem Pontifex in seinem Papamobil auf dem Weg ins Regierungsviertel frenetisch zuzujubeln. Einen solchen Enthusiasmus trifft man wahrscheinlich nur in Afrika. Ob der Papst beim Anblick der ihm zujubelnden Menschenmenge, den er fröhlich quittierte, wohl auch an die Folgen der Bevölkerungsexplosion in Afrika dachte? Dass sein Weg nicht durch eines der Elendsviertel führte, liegt auf der Hand. Die doch eher kommunistisch orientierte Regierung und die Bischofskonferenz haben sich mehr als nur bemüht, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche mit positiven Erinnerungen an Angola nach Rom zurückkehrt.

 

Und zuletzt noch etwas in eigener Sache. Leider müssen wir den jetzigen Aufenthalt früher als geplant abbrechen und zwar aus Gründen des fehlenden Visums. Dies beruht auf folgender Begebenheit. Wir kehrten Ende Oktober 25 aus medizinischen Gründen in die Schweiz zurück. Unser Jahresvisum endete am 25. Dezember, weshalb wir rechtzeitig die Pässe per DHL nach Luanda schickten. Doch lautete die Antwort, dass infolge eines neuen Gesetzes keine Visumsverlängerung ausgestellt werde, wenn der Antragssteller sich nicht im Lande aufhalte. So reisten wir denn mit einem Touristenvisum für 30 Tage ein, in der Annahme, dass wir die Angelegenheit problemlos im Land selbst regeln können, was trotz verschiedener Interventionen nicht möglich war, so dass wir eben nächsten Mittwoch am späten Abend wieder in der Schweiz landen werden.

 

Leider ist bis jetzt ein Durchkommen mit dem Auto zur Missionsstation Kola, wo wir eigentlich verschiedene Reparaturarbeiten durchführen wollten, nicht möglich. Es scheitert nicht nur an der fehlenden Brücke, auch die Strasse ist in einem desolaten Zustand. Wir müssen das Ganze voraussichtlich bis ca. Mitte August verschieben und in der Zwischenzeit ein neues Visum beantragen. Doch war unser Aufenthalt hier trotzdem nicht umsonst. Wir konnten einiges bewirken. Nebst vielen kleineren Reparaturen, die Willis Arbeiter durchführen konnten, wurde auch der Kreuzweg erneuert und ein Unterstand für grössere religiöse Feiern, für welche die Kapelle nicht ausreicht, errichtet. Zudem konnte Willi einen grösseren Holzkauf tätigen, so dass die Schreiner in den kommenden Monaten viele Aufträge für andere Missionsstationen erledigen können. Mein Beitrag bestand vor allem in der Durchführung verschiedener Nähkurse und der Organisation der Finanzen für die Studierenden. In diesem Sinne hoffen wir auch die Zeit in der Schweiz wieder gut zu nützen und freuen uns darauf.

 



 






 


 






 

                die Menschen stehen Schlange für Gas (z. Kochen), whs wurde mehr Gas ins Ausland                            verkauft - lukrativer

 

 

 

Sonntag, 12. April 2026

 

Sonntag, 12. April 2026 

Es regnet und regnet…! Statt morgens von der aufgehenden Sonne geweckt zu werden, erwartet uns ein bedeckter Himmel oder gar Regen.  Oft ziehen auch nachts starke Gewitter und Regenschauer vorüber. Alles ist feucht; die kurzen sonnigen Aufhellungen tagsüber vermögen die völlig durchnässten Lehmmauern auch nicht zu trocknen, so dass immer mehr Menschen unter den Folgen leiden, weil der Regen durch die Wände ins Innere drängt und die Mauern einstürzen. Auch wir wurden davon nicht ganz verschont. So mussten wir feststellen, dass in einem alten Gebäude neben der Garage ebenfalls eine Mauer eingestürzt ist. Für uns ist der schaden nicht allzu gross, wurde der Schuppen doch kaum mehr benutzt. Ganz schlimm hat es die Küstenregion betroffen, wo Strassen sich in reissende Bäche verwandelt haben und hunderte von Häusern unbewohnbar sind. In der südwestlichen Stadt Moaçamedes wurde ein Pfeiler einer Stromleitung unterspült, was denselben zum Einknicken brachte und Stadtteile von der Energiezufuhr abschnitt und andernorts brach eine Brücke einer wichtigen Verbindungsstrasse ein. So hoffen, denn die Menschen täglich, dass nun die Trockenzeit beginnen möge, denn nicht nur Häuser haben unter dem Nass gelitten, sondern auch die Strassen sind zum Teil in einem miserablen Zustand, wenn nicht gar unbefahrbar. So sind zwei unserer Missionsstationen von der Umwelt abgeschnitten (und hier kommt kein Helikopter, um dieselben mit den Nötigsten zu versorgen). 

Ein weiteres Problem ist die steigende Kriminalität, die wohl auf die noch immer anhaltende Inflation zurückzuführen ist, aber auch die die grosse Arbeitslosigkeit. So lungern Tausende von Jugendlichen auf den Strassen herum. Und selbst wenn sie noch gewillt wären, eine weiterführende Schule zu besuchen, fehlt ihnen schlichtweg das Geld. So haben wir auch noch Anfragen um Unterstützung auf unserer Liste, die wir vorläufig zurückstellen müssen, es sei denn wir können die nötigen Mittel beschaffen. Für viele Jugendliche ist infolge dieser Situation der Weg in die Kriminalität nicht mehr weit. Was nicht niet- und nagelfest ist, bekommt Beine. In der letzten Zeit spielten zudem die heftigen Gewitter und Regenschauer bei Dunkelheit in die Hände der Diebe. Unter diesem Lärm können sie unbemerkt eine Türe einschlagen und Material abtransportieren. So hat auch unsere Seminarküche nächtlichen Besuch erhalten, welcher recht viele Utensilien mitlaufen liess. Auf den grossen Schwarzmärkten kann die Beute einfach umgesetzt werden. 

In der Zwischenzeit scheint die Sonne wieder. Geniessen wir die paar Strahlen bis sich wieder neue Wolken türmen.

 




Sonntag, 5. April 2026

 

Ostersonntag, 5. April 2026 

Bei uns scheint zurzeit die Sonne, was nicht heisst, dass die Regenzeit ganz vorbei ist. Täglich ist es nebst sonnigen Intermezzos oft bewölk mit zwischendurch heftigen Regenschauern, was viele Menschen, die in mit Sandblöcken gebauten Häusern leben etwas bangen lässt, ob die durchnässten Mauern auch standhalten. So hat uns auch Gabriel erzählt, dass vor 2 Wochen nach 24 Stunden ununterbrochenen Regens eine Mauer seines Hauses mitsamt dem Dach eingestürzt sei. 

Von all diesen Belastungen u.a. auch der Sorge um das alltägliche Leben infolge der anhalten Inflation, war an der gestrigen Osternachtfeier nichts zu spüren Mit grosser Begeisterung erklang das Halleluja und die Menschen wünschten sich mit echter Fröhlichkeit frohe Ostern.

Und weil an Ostern ja Tod und Leben so nah beieinander liegen, möchte ich gerne ein diesbezügliches Thema aufgreifen, dass ich zwar bereits früher einmal erwähnt habe, welches aber von Bedeutung ist, da es in den Entwicklungsländern viele Frauen betrifft. Es handelt sich dabei meist um sehr junge Frauen, oft auch Mädchen, die ohne die Möglichkeit einer Schwangerschaftskontrolle anschliessend auch bei der Geburt ohne ausgebildete Assistenz, geschweige ärztliche Begleitung in abgelegenen Regionen auf sich selbst gestellt sind. Da der Geburtskanal zu eng ist (manchmal auch wegen des jugendlichen Alters oder einfach vom Körperbau her), bleibt das Kind im Geburtskanal stecken, was meist auch zum Tod des Bébés führt. Zudem führt der Druck auf die Wand zwischen Scheide und Blase (manchmal auch zwischen Scheide und Dickdarm) zu einer Verletzung (Ruptur), so dass anschliessend der Urin unkontrolliert durch die Scheide abfliesst. Diese Frauen werden dann oft durch die Gesellschaft gemieden, freilich auch wegen des Geruchs. Abgesehen von den schier unerträglichen Schmerzen, welche eine Frau bei einer solchen Geburt über Stunden erleiden muss, kann nur eine spezialisierte Operation (manchmal auch mehrere) der Frau zu einem neuen Leben verhelfen, ein Leben auch in der Akzeptanz der Umgebung. 

Auf das Thema bin ich wieder gestossen, weil die Nichte von Juliana letzte Woche deswegen im hiesigen evangelischen Missionsspital Cristo Rei operiert worden ist. Dort existiert ein eigener Pavillon für solche Frauen. Auch unsere Schweizer Kollegin Rebecca, selbst Gynäkologin kommt jedes Jahr für 2 Wochen hierher, um das Operationsteam bei diesen Operationen zu unterstützen. Zum Glück gibt es eine weltweite Organisation, welche solche Operationen finanziell übernimmt. Leider wissen viele Frauen in abgelegenen Regionen nichts davon. Wie auch die Nichte von Juliana, die nach der Geburt über 2 ½ Jahr unter diesen Folgen litt. Sie erzählte mir ihre Geschichte:

Da die Geburt nach Stunden nicht weiterging, zimmerten Angehörige eine Trage aus Ästen und trugen die sich von Schmerzen windende Frau über eine Stunde über eine zerklüftete Gegend, von wo sie mit einem 3-Radgefährt weitere 3 Stunden über holprige Strassen ins Spital Cubal gebracht wurde. Von dorrt ging es mit der Ambulanz weiter Richtung Benguela an der Küste, Fahrt wieder gute 3 Stunden. Auf halbem Weg schien die Frau zu sterben, weshalb bei einer grösseren Krankenstation in Caimbambo Halt gemacht wurde, wo der Patientin Infusionen verabreicht wurden bis sie halbwegs transportfähig nach Benguela war, wo sie im Spital vom Kind entbunden und selbst verarztet wurde.

Auf Nachfrage wurde mir versichert, dass solche Schicksale zum Alltag in abgelegene Regionen gehört. Ich kann mich selbst erinnern, dass auf die Missionsstation Malongo ein Mopetfahrer gefahren kam mit einer Frau auf dem Sozius, , die nicht gebären konnte. Nur ein kleines Ärmchen, das herausschaute, zeigte an, dass ein Kind das Licht der Welt erblicken wollte.

Hoffen wir, dass durch Aufklärung künftig viele solcher Tragödien verhindert werden können.