Samstag, 18. Oktober 2025

 

Samstag, 18. Oktober 2025 

Während ich heute Vormittag noch auf Willi wartete, der im Mädcheninternat der Pastorinhas ein Elektroproblem zu lösen hatte, hörte ich im Radio einen Beitrag von Radio eclesia, dem Sender der katholischen Kirche Angolas. Lange Zeit konnten wir diesen Sender aus Luanda hier nicht empfangen; ob es daran gelegen hat, dass die Regierung den Zugang für die breite Bevölkerung möglichst unterbinden wollte, da der Sender nebst religiösen Beiträgen oft auch sehr differenziert und kritisch berichtet, sei dahingestellt. So hat er heute eine Umfrage einer Bevölkerungsgruppe im Nordosten des Landes publiziert, Die Frage lautete- Welche Projekte wünschen sie, dass im Budget 2026 berücksichtigt und vor allem auch umgesetzt werden? Letzteres wurde von den Anrufern auch immer wieder unterstrichen, denn auf dem Papier existieren viele Projekte, jedoch mit der Umsetzung hapert es gewaltig, da wahrscheinlich viele dieser Projekte auch der Korruption zum Opfer fallen. Ich möchte hier die wichtigsten Projekte, welche von den Hörern immer wieder ins Feld geführt wurden, zusammenfassen. 

1, Bekämpfung des Hungers und der Armut

Wie im letzten Bericht erwähnt, lebt ein Drittel der Bevölkerung in absoluter Armut, haben also auch nicht genug zu essen. Die meisten Kinder gehen ohne Frühstück zur Schule. Hinzu kommt die einseitige Ernährung. Auch ist die Kindersterblichkeit immer noch relativ hoch. 

2. Trinkwasser für alle

Dieser Slogan kommt immer wieder im Fernsehen, allerdings im positiven Sinn; eben, dass dafür gesorgt wird; doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Viele Menschen holen das Wasser aus dem nächsten Fluss oder müssen weite Wege dafür zurücklegen. Andere haben Ziehbrunnen bei sich zu Hause. Infolge mangelnder Tiefe muss dieses Wasser aber auch abgekocht werden. In den Städten kann Trinkwasser oft von Zisternenwagen gekauft werden. 

3. Sicherheit / Beleuchtung / Energieversorgung

Vielerorts gibt es keine Stromversorgung. Dies begünstigt u.a. vor allem in den Elendsvierteln die Kriminalität. Viele können sich auch keinen Generator leisten und oft kommt zu den Unterhaltskosten (Diesel/Benzin) auch das Problem des Transportes infolge fehlender oder schlechter Zufahrtswege oder allzu grossen Distanzen. Auch können ohne Strom resp, Generator keine Bewässerungspumpen oder andere Apparaturen funktionieren. 

4. Medizinische Versorgung / Gesundheitssystem.

Auf dem Land fehlen vielerorts Gesundheitszentren, welche weniger gravierende gesundheitliche Probleme, die aber doch einer Behandlung bedürfen, behandeln könnten. Der Weg ins weit entfernte nächste Spital, welches sowieso überfüllt ist, ist zu mühsam und zu kostspielig. Oft muss auch das benötigte Material (Spritzen, Handschuhe etc.) selbst besorgt werden, sowie auch Medikamente, was finanziell oft nicht drin liegt. Der Zufall will es, dass gerade in diesem Moment Tina an die Tür klopft. Ihre Mutter liegt im Zentralspital von Lubango. In der Hand hält Tina ein Rezept mit den Medikamenten, die sie der Mutter ins Spital bringen muss. 

5. Bildung / Schulsystem

Rund 5 Mio schulpflichtige Kinder im ganzen Land haben keinen Zugang zum Schulsystem. Die entsprechenden Anrufer beklagen sich auch, dass die Schule ihres Dorfes keine Fenster und Türen habe. Auch fehlen Pulte und Stühle, was übrigens vielerorts der Fall ist. Immer wieder begegne ich Schülern, vor allem kleineren Kindern, auf dem Schulweg, die kleine Plastikstühle schultern, damit sie im Unterricht nicht auf dem Boden sitzen müssen. Vor allem auf dem Land fehlen auch Lehrer, obwohl viele ausgebildete Kräfte auf eine Anstellung warten. Doch der Staat bremst mit Stellenausschreibungen, resp. Finanzierung. Ebenso fehlt überall Unterrichtsmaterial. Selbst wenn eine Ortschaft über weiterführende Schulen verfügt, fehlen Schulbücher, geschweige denn eine Bibliothek. Infolge fehlenden Materials werden die Schüler dieser Schulen verpflichtet, ein Natel mit Internetzugang mitzubringen, ansonsten werden sie vom Unterricht ausgeschlossen. Was dies für Kinder aus armen Familien (nebst hohen Schulgebühren) bedeutet, ist leicht vorstellbar. 

6. Verkehrssystem / öffentlicher Verkehr                                 

Die Radiohörer beklagen sich, dass es in ihrer Region keine intakten Strassenverbindungen gibt, was natürlich auch auf andere Regionen zutrifft. Auch existiert ein äusserst dürftiger transporto publico, also öffentliche Verkehrsmittel, resp. -Verbindungen. Es sei schwierig, ein Zugbillett zu ergattern, der selten verkehrende Zug sein überfüllt, weise kaputte Sitzgelegenheiten auf, letzteres trifft auch für Busse zu. Die fehlenden und schlechten Strassenverbindungen erschweren oder verunmöglichen auch den Absatz von landwirtschaftlichen Produkten und begünstigen somit u.a. die Landflucht. 

Dies waren so die üblichen Beschwerden, die von allen Anrufern vorgetragen wurden, Fakten, die mehr oder weniger für das gesamte Land gelten, was wirklich die Frage aufwirft: Quo vadis Angola? 

Übrigens fahren wir morgen doch noch nach Tchinjenje, weshalb ich heute schreibe. Wir werden in Cubal und Tchinjene unsere Projekte begutachten. Für Tchinjenje haben wir auch einige Schachteln Medikamente vom Hilfswerk Medeor Deutschland mit im Gepäck. Der von uns erbaute Gesundheitsposten scheint gut zu funktionieren, Wenigstens ein Hoffnungsschimmer.

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