23. März 2014
Die Teilnahme am 2-tägigen Kurs von anamed hat sich
vergangene Woche wirklich gelohnt. Anamed, von einem deutschen Pharmazeutiker
ins Leben gerufen, befasst sich mit der Herstellung natürlicher Produkte aus
lokalen Heilkräutern und Pflanzen, seien es Salben und Öle oder Tropfen und
Sirup zum Einnehmen. Während seiner Arbeit in Afrika begegnete er – wie leider
auch heute noch der Fall – vielen Kranken, die sich aus finanziellen Gründen
die nötigen Medikamente nicht leisten können, oft mit tragischen Folgen. Dazu
kommen im Landesinnern oft die riesigen Distanzen zum nächsten
Gesundheitszentrum, weswegen immer wieder von einem nötigen Besuch dahin
abgesehen wird oder Kranke viel zu spät hingebracht werden. Für Naturheilmittel
spricht auch die Tatsache, dass in 3.-Welt-Ländern viele gefälschte Medikamente
auf dem Markt sind.
Dies veranlasste erwähnten Pharmazeutiker,die Menschen in
diesen Regionen zu ermutigen, ihre natürlichen Ressourcen zu nutzen und ihnen
das nötige Wissen dafür zu vermitteln, sei es um erste Hilfe zu leisten oder
auch einfachere Leiden selbst zu heilen. Und in der Tat gibt es doch sehr viele
pflanzliche Heilmittel u.a. auch bei Malaria und Durchfall sowie
Erkältungssymptomen, die häufigsten Erkrankungen vor allem bei Kindern. Das
Problem ist lediglich, die Pflanzen zu kennen und richtig einzusetzen. Die
Salbe für Wundpflege und zur Behandlung von Verbrennungen wirkt jedenfalls
Wunder und auch der Hustensirup aus Zwiebelextrakt lässt sich empfehlen, haben
doch auch unsere Grossmütter bei Hals- und Ohrenschmerzen Zwiebeln eingesetzt.
Ich denke jedenfalls von diesem Wissen in den nächsten Kursen, in denen ich
sowieso vermehrten Wert auf Hygiene legen möchte, etwas einfliessen zu lassen.
Im Moment stehen wir schon fast in den Startlöchern für
unsere Schweizer-Ferien. So viele Arbeiten möchten noch erledigt werden,
besonders Willi ist überall gefordert. Irgendwie haben wir eben doch auch die
Schweizer-Mentalität nicht ganz abgelegt, welche die Dinge in Ordnung
zurücklassen möchte; der Durchschnitts-Afrikaner hat‘s da leichter. Und so Gott
will, können wir vor der Abreise auch noch den Container, der bereits seit mehr
als zwei Monaten im Hafen liegt, in Empfang nehmen. Vielleicht geschehen ja
noch Wunder!
Heute Nachmittag haben wir einen kurzen Ausflug auf eine
Hochebene ca. 12 km ausserhalb Lubango unternommen. Zur Zeit präsentiert sich
die Gegend in einem saftig grünen Kleid und die Strassenränder sind gesäumt von
farbigen Blumen. Wie schön dieses Land doch ist, wäre da nicht immer noch die
andere Seite mit den Spuren des Krieges. Wir haben auf dieser Anhöhe kurz Halt
gemacht bei der Redemptoristen-Missionsstation. Vor dem Krieg war hier ein sehr
gut funktionierendes Spital, das während des Krieges fürs Militär
umfunktioniert wurde und heute in einem entsprechend miserablen Zustand als
Schule dient. Die vier ehemaligen kleinen Arzthäuser sind wohl noch bewohnbar,
allerdings auch in einem äusserst renovationsbedürftigen Zustand, während die
übrigen Gebäude Abriss-Objekten gleichkommen – und dies alles 12 Jahre nach
Kriegsende!
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