Sonntag, 12. Oktober 2014


12. Oktober 2014 

Bei schwülen 35°C können wir uns kaum daran erinnern, wie wir vor wenigen Monaten gefroren haben. Es ist oft heiss und schwül und Natur und Menschen warten auf Regen. An verschiedenen Orten, auch in manchen Bairos der Stadt ist das kostbare Nass Mangelware, während der Handel mit dem kühlenden Gut zu einem lukrativen Geschäft wird. Allerdings können sich nicht alle den Kauf leisten, so habe ich diese Woche auf der Fahrt durch die Stadt eine Frau beobachtet, die aus einer schmutzigen Pfütze Wasser in einen Behälter schöpfte, während ihr ebenfalls von oben bis unten verschmutztes Kind ihr dabei zusah. Solche Wasserpfützen gibt es öfters mal in der Stadt, sie entspringen meist einem Rohrbruch; betrifft dieser eine grössere Leitung, kann auch mal sauberes Wasser aus dem Boden spritzen. Gleichzeitig lässt die Sprinkleranlage im neu eröffneten Sportpark, der zwar mehr oder weniger unbenützt bleibt (ich weiss nicht, wer ihn überhaupt betreten darf) den Rasen grünen. Zwar gibt es Gegenden, in denen es bereits geregnet hat, doch bei uns datiert der letzte Niederschlag – ausser einem kurzen Hagelschauer im September – vom April. Das Problem der Wasserknappheit, von sauberem Trinkwasser gar nicht zu reden, haben wir beim heutigen Besuch in Tunda wieder hautnah erlebt. Ein Fluss, der bislang auch in der Trockenzeit noch etwas Wasser geführt hat, ist ganz eingetrocknet, ein anderer zeigt sich noch als kleines schmutziges Rinnsal. Frisches Trinkwasser können die Menschen hier zur Zeit nur in der 15 km entfernten Fazenda kaufen. Leider liegt auch unser Wasserprojekt vor Ort absolut nicht im Zeitplan. Die örtliche Regierung hat uns versprochen für die Bohrung selbst aufzukommen, passiert ist jedoch seit Monaten nichts. Morgen werden wir mit Tarcisio nochmals vorsprechen, um sonst die nötigen Schritte selbst zu unternehmen. Das Angebot der Regierung hatten wir natürlich akzeptiert, denn wenn wir mit der für dieses Wasserprojekt erhaltenen Spende nur den Brunnen finanzieren müssten, bliebe uns noch etwas für die Instandstellung der Schule, die weder über Inventar – als Schulbänke dienen nur Teile von Baumstämmen und Steine – noch über eine sanitäre Anlage verfügt. Der Evangelist, der das Zentrum Tunda betreut, meinte, die Regierung hätte mit den Millionen, die sie in die neue Stadt investiert (s. letzter Blog), besser das Wasserproblem in den vielen Dörfern im Landesinnern gelöst und diese mit Schulen und Sanitätsposten versehen, was der Bevölkerung einen wesentlich grösseren Nutzen gebracht hätte. Wir möchten dem sogar noch etwas hinzufügen, denn Tunda liegt in der Nähe der grossen Abfalldeponie der Stadt Lubango, die sich ungeordnet über eine riesige Fläche erstreckt. Wenn sie dann ab und zu, wie gerade jetzt Ende Trockenzeit wieder mal in Brand gesteckt wird, zieht auch der giftige Rauch bis weit über die Hütten von Tunda. Ob sich mit den vielen Oelmilliarden nicht auch Kehrichtverbrennungsanlagen wenigstens in den grossen Städten bauen liessen?? Aber eben ich bin kein Politiker. 

Die letzte Woche war vor allem ausgefüllt mit Arbeiten in einem Schwesternhaus in der Stadt, wo Willi die elektrischen und sanitären Anlagen installieren muss. Und wie eben bei einer Renovation üblich, liegen die Probleme meist im Verborgenen. Doch werden die Schwestern nächstens einziehen können.

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