2. November 2014
Manchmal bewundere ich die Technik, wenn es gelingt mitten
im Busch, abseits jeglicher sogenannter Zivilisation ein e-mail in die Schweiz
zu schicken. Während diese Kommunikationsmöglichkeit in der Schweiz freilich
zum Alltag gehört, ist dies hier halt doch noch nicht überall so
selbstverständlich, so konnte Willi seine Geburtstagswüsche erst am folgenden
Tag abrufen, da in Cubal, wo wir zu diesem Zeitpunkt weilten, ein
Internet-Zugang oft nicht möglich ist und ab und zu kommt auch die
Handy-Verbindung nicht zustande.
Doch nun mal schön der Reihe nach. Am Montag früh hat mich
Willi in einem ca. 70 km entfernten Mädchen-Internat abgesetzt, wo ich während
2 ½ Tage die 30 Mädchen in ihren ersten Nähversuchen unterstützte, was mich ziemlich
gefordert hat, vor allem da die vorhandene Infrastruktur sehr dürftig war. Glücklicherweise
hatten wir die Bedingungen vorher schon etwas abgeklärt, so dass wir im Gepäck
einen massiven Holztisch mitführten, auf dem auch die mitgebrachte Nähmaschine
stabil stand, denn mit der dort vorhandenen kleinen Solaranlage konnte doch
problemlos eine elektrische Nähmaschine in Betrieb genommen werden. Ich muss
wohl kaum erwähnen, dass alle Schülerinnen sehr begeistert waren, wenn sie nach
der ersten mühsam von Hand genährten Naht die zweite an der Maschine ausführen
durften. Zurück noch zum infrastrukturellen Problem: der einzige vorhandene
Tisch war aus Plastik mit einer bereits in der Mitte eingesunkenen Tischplatte
und stand auf wackligen Beinen in der Küche der Schwester, die die
Internatsleitung inne hat. Das weitere Mobiliar daselbst bestand noch aus
wenigen Regalen und einem Gasherd. Weder Wasseranschluss noch Spültrog sind
vorhanden – abgewaschen wird in Plastikbecken im Hof; Wäsche wird im nächsten
Fluss gewaschen. Da das Internat über keinen Aufenthaltsraum oder Esssaal
verfügt, spielt sich der grösste Teil der Aktivitäten im Hof ab, so auch unser
Kurs. Zwischendurch habe ich mal einen Blick in einen der 3 Schlafsäle
geworfen. An einer Wand lagen am Boden aneinandergereiht die Koffer der
Mädchen, in welchen sie Hab und Gut aufbewahren und in einer gegenüberliegenden
Ecke waren Schaumgummimatratzen aufgestappelt, so schaffen sich die Mädchen
tagsüber etwas Platz. Die prekären Platzverhältnisse zeigen sich auch bei den
Mahlzeiten. Jedes der Mädchen fasst jeweils einen mit der Mahlzeit gefüllten
Blechteller und setzt sich irgendwo hin. Geduscht wird mit einem Becken Wasser
hinter eine Bretterwand auf der Rückseite des Hofes.
Diese Misere zieht sich durch die meisten der mir bekannten
Internate, besonders bei den Knaben-Internaten schreien die Verhältnisse oft
zum Himmel, vor allem auch in Sachen Hygiene. Es ist mir kaum ein Internat
bekannt, das nach schweizerischen Massstäben wegen mangelnder hygienischer
Verhältnisse oder mangelnder Infrastruktur nicht sofort geschlossen würde.
Während im erwähnten Mädcheninternat die Schülerinnen doch einigermassen gut
betreut werden und einen glücklichen Eindruck machen, lässt leider auch die
Betreuung in vielen Internaten zu wünschen übrig. Doch ist es für die Kinder
oft die einzige Möglichkeit zum Schulbesuch.
Am Mittwochnachmittag wurde ich von Willi und Tarcisio
wieder abgeholt zu Weiterfahrt nach Cubal, wo Willi noch einige Elektroarbeiten
auszuführen hatte. Auf dieser Station sind wir immer herzlich willkommen und
fühlen uns auch zu Hause. Die 3 dort arbeitenden Patres leisten hervorragende
Arbeit und es entwickeln sich auch immer interessante und unterhaltsame Gespräche,
bei denen auch viel gelacht wird.
Auf dem Rückweg nach Lubango am Samstag war ein Halt
eingeplant im Kimbo (Hüttensiedlung), etwas abseits der Hauptroute, wo Tarcisio
herkommt. Bei dieser Gelegenheit testeten wir unsere neue Errungenschaft – ein Zelt,
in dem wir auch herrlich schliefen, hätte uns nicht der Hahn morgens um vier
Uhr direkt neben dem Zelt seine Aufwartung gemacht und mit lautem Kickeriki den
neuen Tag verkündet. Da der Himmel Wolken verhangen war konnten wie leider den
im Busch infolge fehlender äusserer Lichtquellen sonst so imposanten
Sternenhimmel nicht voll geniessen.
Eindrücklich war auch der Sonntags-Gottesdienst, gehalten
als Gedenkfeier der verstorbenen Familienangehörigen von Tarcisio, welcher auf
dem Friedhof, wo mehrere seiner Familie begraben sind stattfand. Ein
halbstündiger Fussmarsch führte uns durch den Busch auf eine Anhöhe in eine
Lichtung, wo sich mehrere Erdhügel und Steinplatten befanden, u.a. auch das
Grab seiner Mutter. Tarcisio erzählte, dass seine Mutter sich in den 70-iger Jahren
im Spital Quinjenje (wo Willi und ich arbeiteten) einer Krebsoperation
unterzogen habe und Willi sie anschliessend wieder nach Hause gefahren habe.
Das geschenkte Huhn, das wir anschliessend über dem Kohlenfeuer
grillierten, war allerdings so zäh, dass wir uns fast die Zähne daran
ausbissen. Wahrscheinlich wäre es reif gewesen für das Altersheim.
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