Sonntag, 15. Februar 2015


15. Februar 2015 

Eigentlich wollten wir nach dem Mittagessen nach Cubal aufbrechen, doch hat Willi heute nach dem Frühstück einen Fieberschub gemacht (Malaria lässt grüssen), so dass wir wahrscheinlich erst morgen in der Früh losfahren. In Cubal warten der neue Saal und die dazugehörende Küche, welche vom Zweck her am ehesten einem Pfarreizentrum entsprechen, auf die Elektrifizierung. In Cubal sind wir immer sehr herzlich willkommen und fühlen uns auch zu Hause. Allerdings ist einer der drei Patres, die dort auch pastoral sehr gute Arbeit leisten kürzlich nach Rom zu weiteren Studien gegangen. Diese Studien sind oft etwas zwiespältig; einerseits kehren diese Menschen oft mit sehr viel Erfahrung und Weltoffenheit zurück, andererseits gibt es immer wieder „Schäfchen“, die sich dann nur noch zu etwas Besserem berufen fühlen. Hoffen wir für diesen humorvollen, strebsamen und auch kritisch denkenden jungen Mann nur das Beste. 

Letzten Montag sind wir wie geplant mit der MAF nach N’harera resp. Andulo geflogen und von dort noch 45 min. mit dem Auto nach N’harera. Die 4-plätzige Maschine versetzte uns gedanklich ein wenig in alte Zeiten, als Willi selbst noch im Piper über die Landschaft Angolas kurvte. Dementsprechend genossen wir auch den 2 ½ -stündigen Flug, d.h. ich nur den ersten Teil, danach setzten mir die Luftturbulenzen arg zu, so dass ich am Ziel keine grosse Hilfe mehr sein konnte für Willi. Doch Tarcisio konnte ihm auch zur Hand gehen beim Ausmessen der verschiedenen Räume, deren sanitäre Einrichtung zur Zeit nur äusserst notdürftig ist, ebenso wie die Stromversorgung, die lediglich aus wenigen an Kabel hängenden Glühbirnen besteht. Auch scheint das Dach nicht mehr überall dicht zu sein. Ich habe mich schliesslich dann doch noch als Fotoreporter nützlich gemacht, bevor wir nachmittags wieder zurückflogen. Willi arbeitet zurzeit noch an den Plänen für die notwendigen Reparaturen und Installationen. Die Umsetzung will er dann im April mit seinem langjährigen Freund Rolf vornehmen, der für zwei Monate hierher kommen wird. 

In N’harera erreichte uns die traurige Nachricht vom tödlichen Autounfall einer unserer jüngeren Patres, der eben kürzlich aus seinem Studienaufenthalt von Rom zurückgekommen ist. Die Verkehrsunfälle sind einfach ein Horror in diesem Land, sowohl was deren Zahl als auch ihre Schwere betrifft. In der Stadt herrscht einfach eine Ellbogentaktik, indem rechts und links überholt und das Auto überall hingestellt wird. Schlimm sind vor allem die Fahrer der öffentlichen Taxis sowie die Mopedfahrer, die im Slalon durch die Autoschlangen kurven, während die Fussgänger sich oft in Sprüngen über die Strasse retten. Über Land heisst der Feind Nummer eins: Geschwindigkeit, statt abgebremst wird einfach auf die Hupe gedrückt. Oft spielt zusätzlich auch der Alkohol ein riesiges Problem sowie weitere Fahruntauglichkeit von Fahrer oder Vehikel. Bei unserem Fahrer war die erhöhte Geschwindigkeit schuld auf einer planierten Naturpiste, auf denen du aber Sandverwehungen nicht unterschätzen darfst vor allem in Kurven. 

Zum Schulbeginn wurden auch überall im Land neue Schulhäuser eröffnet. Man muss der Regierung zugestehen, dass sie diesbezüglich sehr viel unternommen hat.
Doch hört man auch von vielen Schulhäusern, die in halbfertigen Zustand übernommen werden müssen, z.B. ohne die geplanten sanitären Einrichtungen oder Ausstattungen, da vorher das gesprochene Geld ausgegangen, weil es in andere Taschen geflossen ist (einen Umweg genommen hat, wie die Leute hier sagen). Das Schulsystem ist einfach miserabel, in öffentlichen Schulen vor allem auch die Disziplin der Lehrer, so haben mir Schüler vergangene Woche noch gesagt, dass ihre Lektionen erst kommende Woche beginnen. Obwohl immer wieder betont wird, dass die Teilnahme am Schulunterricht gratis und für alle Kinder zugänglich sei, finden sich oft keine Lehrer, die an abgelegenen Orten unterrichten und in jeder Schule müssen die Kinder resp. deren Eltern beim Einschreiben eine Gebühr bezahlen. Dasselbe gilt für die Schulbücher, was zur Folge hat, dass an öffentlichen Schulen manchmal nur wenige Kinder einer Klasse die notwendigen Unterlagen besitzen. Vergangene Woche hat mich so wieder eine Mutter um Hilfe gebeten, deren älteste Tochter bereits die 11. Klasse besucht, was ja sehr lobenswert ist. Doch belaufen sich die vorgeschriebenen Bücher auf umgerechnet 300 Franken, während die allein erziehende Mutter gerade mal gute Hundert Franken monatlich verdient. Ein absolut unmögliches Unterfangen; hinzu kommt noch, dass die Schüler dieser höheren Schule ohne Vorweisung des entsprechenden Materials vom Unterricht ausgeschlossen werden! Hier ist guter Rat teuer.

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