1.März 2015
Die Natur ist dem Himmel für die heftigen Niederschläge der
letzten Tage wohl sehr dankbar. Ob allerdings die ausgetrockneten Maisfelder in
einigen Regionen sich noch erholen werden, kann ich nicht beurteilen. Was ich
hingegen mit Sicherheit weiss, ist dass die kürzere, nicht asphaltierte
Verbindung von uns in die Stadt, welche ich früher schon beschrieben habe, nach
den letzten Regenfällen für Autos nicht mehr passierbar ist, da an zwei Orten jeweils
bei einer Brücke ein Stück der Strasse eingebrochen ist. So kam Schwester
Regina auch zu Fuss in den nächsten Bairro, wo ich mit der mir bereits ans Herz
gewachsenen „Samstags“-Frauengruppe das Problem von Trinkwasser unter die Lupe
nahm. Dabei ging es vor allem darum, wie die Verunreinigung des Wassers vermieden
werden kann resp. die Behandlung von Wasser, damit es als Trinkwasser benutzt
werden kann. Dazu gehört natürlich viel Aufklärung über Hygiene und
schlussendlich versuchten wir uns noch in der Herstellung von Seife.
Willi war diese Woche vor allem damit beschäftigt, die
Arbeiten für die schon seit Jahren geplanten Kreuzwegstationen zu unserem
Heiligtum zu begleiten, damit dieser Kreuzweg in der Karwoche endlich
eingeweiht werden kann. Ausserdem fand er endlich Zeit, die Fenster in der Küche
und im Aufenthaltsraum zu ersetzen und nicht zu vergessen die Installation der
neuen Waschmaschine, die bei vielen Gästen eine riesige Entlastung für die
Wäscherinnen bedeutet.
Wenn auch in der Stadt und vor allem an deren Peripherie
unglaublich viele Neubauten entstehen, kann dies doch nicht über die Armut des grossen
Teils der Bevölkerung hinwegtäuschen. So hat sich gerade in der vergangenen
Woche, in der endlich der Schulbetrieb in vollem Umfange aufgenommen wurde
gezeigt, wie viele Eltern sich das nötige Schulmaterial für ihre Kinder nicht
leisten können. So haben wir denn wenigstens für die Kinder der Eltern die bei
uns arbeiten (sei es auch nur stundenweise für bestimmte Arbeiten) eine Aktion
gestartet und die Kinder mit Schulheft, Gummi, Bleistift und ein paar Farbstiften
eingedeckt. Was uns dabei vor allem erstaunt hat, ist die Anzahl der Kinder die
sich da präsentierten, so dass ich zweimal nachkaufen musste. Es scheint, dass
einerseits die Tradition immer noch in den Köpfen festsitzt, dass durch die
Kinder die Altersversorgung garantiert sei. Dabei zeigt sich immer mehr, dass
diese Strukturen arge Risse aufweisen, indem die Kinder später irgendwo in der
Hauptstadt ihr meist vergebliches Glück versuchen und die alten Eltern und
vielfach auch ehemals allein erziehenden Mütter sich selbst überlassen sind und
oft auf erbärmliche Weise dahin vegetieren, da sie nie auf eine Rente hoffen
können. Andererseits fehlt es auch an der nötigen Aufklärung über eine
verantwortliche Familienplanung, worin sich m.E. auch die Kirche mehr
engagieren dürfte (bemerkenswerte Ausnahme Papst Francisco in seiner
diesbezüglichen Stellungsnahme). Vor allem viele Männer zeigen überhaupt kein
Verantwortungsbewusstsein und lassen immer wieder die Familie im Stich. Beim
Anblick der Hunderten von Kindern auf den vielen Schulhausarealen stellt sich
für mich immer wieder die Frage: Was ist mit ihnen in 10, 20 Jahren. Zum Glück
scheint sie diese Frage noch nicht zu beschäftigen und auch die Armut zu Hause
scheint ihre Fröhlichkeit und ihre Lebenslust nicht zu beeinträchtigen.
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