21. August 2016
Seit Mittwoch leben wir wieder in einer anderen Realität.
Unsere Emotionen sind ob dieser Tatsache manchmal auch etwas gespalten.
Einerseits können wir uns keinen herzlicheren Empfang vorstellen als wir dies
sowohl in Luanda wie auch Mapunda erleben durften und wir freuen uns auch auf
unsere Arbeit und die weiteren Begegnungen mit Menschen hier. Auch konnten wir
in verschiedenen Belangen kleine Fortschritte erkennen, angefangen von der
Ankunft im Flughafen, wo unser Gepäck noch nie so schnell ausgehändigt wurde
(wir fühlten uns fast in der Schweiz). Bislang hatten wir auch noch keinen
Ausfall von Strom oder Wasser; sogar die Pastorinhas erfreuen sich an einer
regulären Wasserversorgung und dies bald am Ende der Trockenzeit, welche auch
bereits durch die violette Blütenpracht gewisser Bäume angezeigt wird. Willi
meinte, dass sogar das Internet einen schnelleren Gang eingeschaltet habe.
Andererseits lässt die Gesamtsituation des Landes und das
eigene Unvermögen, grosse Änderungen herbeizuführen keine Euphorie aufkommen.
So ist die Inflation, deren Beginn etwas mehr als 1 Jahr zurückliegt, noch
nicht zum Stillstand gekommen. Dadurch ist es den Menschen mit niederem
Einkommen und den vielen Arbeitslosen kaum möglich, ihre Familien über Wasser
zu halten, kosten jetzt 25 kg Mais oder Reis annähernd 9000 Akz, während der
Preis dafür früher 2400 betrug. Im Supermarkt zahlt man für einen Karton mit 30
Eiern 3750 Akz, was ein Anstieg um das 3-fache bedeutet. Auch Baumaterialien
sind massiv gestiegen. Für die Privilegierten, die US $ wechseln können, sieht
die Lage freilich anders aus, weist der Dollar heute auch zum offiziellen Kurs
den doppelten und auf dem Strassenmarkt sogar mehr als den 4-fachen Wert auf,
während die einheimische Währung entsprechend gesunken ist und bei
gleichbleibenden Löhnen entsprechend zu den erwähnten Versorgungsproblemen
führt.
Heute sind wir mit Tarcisio zu einem Gottesdienst eine
knappe Autostunde ins Land gefahren. Dabei mussten wir auch feststellen, wie
vieles eben noch im Argen liegt. Nach wie vor investiert die Regierung vor
allem in die Städte; auf dem Land sind kaum Fortschritte zu verzeichnen. So
haben die Kinder aus dem Siedlungsgebiet, in welches wir fuhren, einen
2-stündigen Fussmarsch zu bestreiten sofern sie eine Schule besuchen wollen.
Strom, Wasser oder Sanitätsposten sind alles Traumobjekte. Im Gespräch erfuhren
wir auch, dass die Gegend zwischen der Peripherie der Stadt und dem erwähnten
Siedlungsgebiet von der Regierung für neue Siedlungen reserviert worden sei.
Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass störende Elendsviertel in der
Stadt eliminiert und die Menschen ausserhalb der Stadt angesiedelt werden
sollen. Gegebenenfalls wird dies jedoch sicherlich erst nach den Wahlen 2017
umgesetzt.
Ein weiteres Problem ist der Abfall. Zwar wurde die
Problematik erkannt und auch im Fernsehen immer wieder als Grundübel für viele
Krankheiten verantwortlich gemacht. Tatsächlich werden nun (vor allem seit der
kürzlichen Gelbfieber-Epidemie) ganze Strassenzüge oder Viertel vom Abfall
geräumt; wenn den Menschen jedoch keine alternative Entsorgungsmöglichkeit
geboten wird (sprich Sammelstellen, Container etc.) existiert in Kürze wieder
dasselbe Bild.
Nächsten Dienstag fahren wir voraussichtlich für kurze Zeit
auf die Missionsstation Kola, um das Wasserprojekt dort voran zu treiben. Es
wird spannend, inwieweit wir unsere in einem Kurs in Deutschland erworbenen Kenntnisse
zur Wasserortung umsetzen können. Wir werden wieder darüber berichten.
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