18. September 2016
Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen der Festivitäten zum
Jubiläum von La Salette: einerseits 170 Jahre seit der Erscheinung Marias in La
Salette, andererseits 70 Jahre Präsenz der Schweizer Missionare von la Salette
in Angola. Schon gestern Samstag fand eine eindrückliche Feier statt mit
Menschen aus allen Landesgegenden sowie auch Vertretungen aus Namibia, wo La
Salette-Patres seit Kriegsende ebenfalls ein Gebiet mit zwei Stationen betreuen;
denn das Stammesgebiet nördlich und südlich der Grenze zu Namibia ist dasselbe,
lediglich wurden nach dem zweiten Weltkrieg die Grenzen, wie vielerorts in
Afrika, willkürlich mit dem Lineal gezogen ohne auf die ethnischen
Stammeszugehörigkeiten zu lachten, was deshalb in vielen Gebieten Afrikas auch
immer wieder zu Konflikten führt. So habe ich vorhin auf dem Platz auch einige
dieser stattlichen Herero-Frauen angetroffen mit den für sie typischen
Trachten, insbesondere der imposanten Kopfbedeckung.
Doch zurück zur Feier. Darin wurde nebst zwei 10-jährigen
einheimischen Priesterjubilaren vor allem all der Schweizer-Patres gedacht, die
so immense Arbeit in Katechese, aber auch in Bildung und medizinischer
Betreuung geleistet haben, führen doch alle Missionsstationen Knaben- und
Mädchen-Internate sowie Krankenstationen, welche allesamt im heutigen
politischen System mit all seinen Defiziten keineswegs an Bedeutung eingebüsst
haben. Insbesondere ging ein aufrichtiger und sehr herzlicher Dank an P.
Viktor, der als letzter Weisser noch in Angola lebt, auch wenn er
gesundheitlich sehr angeschlagen ist. Dass sich die Arbeit der Missionare
gelohnt hat, zeigt sich auch an den über 70 einheimischen Nachfolgern, die
jetzt die verschiedenen Stationen und Seminare betreuen.
Auf die Tatsache, dass zu eine solchen Fest auch Speis und
Trank gehören, verwies der Ochse, der aus einiger Distanz, an einen Baum
gebunden, geduldig dem Festakt folgte. Vermutlich war es sein letztes
Stündchen, denn er wird wohl heute Sonntag, dem zweiten Festtag, auf
verschiedenen Tellern landen.
Für den heutigen Festtag sind noch mehr Menschen angereist, finden
heute doch auch zwei Priesterweihen statt. Überall herrscht drum ein buntes
geschäftiges Treiben; die vielen kleinen Zelte erinnern fast an ein Open Air.
Aber auch sonst sind alle Räume voll belegt mit auf Matten schlafenden
Menschen. Willi wurde auch recht gefordert, trat doch kurzerhand ein Problem
mit der Wasserzufuhr auf und das mit Hunderten von Menschen! Zum Glück bekam er
es nach einigen Schwierigkeiten bald in den Griff. Dass zusätzlich wegen eines
Brandes – im Moment ist es überall spindeldürr – auch die Stromversorgung der
Stadt ausfiel (das Problem dürfte erst am Montag angegangen werden), sorgte für
weitere Einsätze von Willi, denn auch die Musikgruppe, die zum Fest aufspielte,
kam mit moderner Technik angereist, welche auch nach einem entsprechenden
Anschluss verlangte. Zum Glück können wir auf den Generator zurückgreifen, der
aber auch nicht ohne Unterbruch eingesetzt werden kann. Doch schlussendlich
funktioniert es irgendwie immer. Dies gilt auch für die übrige Organisation.
Was für uns bestenfalls nach einem organisierten Chaos aussieht, führt jedoch
irgendwie immer zum Ziel, sei es eben nicht nach europäischer Vorstellung und
Massstäben oder auch mit einiger Verspätung, was aber niemanden gross zu
beunruhigen scheint, denn die Menschen sind sich ja das Warten gewohnt, vor
allem an offiziellen Stellen oder im Gesundheitsbereich, wo sie oft stundenlag
anstehen.
Die Jubiläumszahl von 70 Jahren Präsenz in Angola hat mir
vor Augen geführt, wieso so viel an Reparaturarbeiten ansteht. Wenn auch nicht
alle Stationen zu diesem Zeitpunkt gegründet wurden, so haben doch die meisten
das 50-Jahr-Jubiläum hinter sich. An einem 50-jährigen Gebäude ist auch in der
Schweiz sicherlich schon mehrmals etwas repariert oder renoviert worden.
Deshalb kann man sich den Zustand der betroffenen Gebäude hier, die auch 50
Jahre auf sich haben, wohl leicht vorstellen, zumal sie oft einige Jahre
infolge der Kriegswirren verwaist waren oder anderweitige Spuren des Krieges
aufweisen. Und da Fachkräfte im Land rar sind, dürfte für uns noch einiges zu
tun bleiben.
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