16. Oktober 2016
Schon vor 6 Uhr morgens werden wir jeweils vom
Vogelgezwitscher geweckt, während die Sonne als dunkelrote Scheibe am Horizont
emporsteigt. Noch etwas schlaftrunken versuchen wir die einzelnen Vogelstimmen
zu identifizieren. Während einer eine Tonleiter zwitschert, ruft ein anderer,
den wir inzwischen Franzosenvogel nennen: „vite, vite – ja, ja, wir kommen
schon, schliesslich sind wir ja in Afrika und müssen eigentlich nicht so „schnell,
schnell“ machen – und schon hüpfen wir aus dem Bett. Ja, es geht leichter das
Aufstehen, wenn man schon von der Sonne geweckt wird. Während bei euch die Tage
kürzer und kälter werden, erleben wir hier das Gegenteil. Zwar beträgt die
Differenz von Sonnenaufgang, bzw. Sonnenuntergang nur ungefähr je eine Stunde,
sodass die Tagesdauer im Maxium 2 Stunden länger ist. Der Temperaturunterschied
zwischen der Trockenzeit und der Regenzeit ist da schon etwas ausgeprägter, so
dass Willi jetzt um die Mittagszeit gerne eine Pause einlegt, sofern er
draussen arbeitet, da die Sonne extrem stark einheizt. Die manchmal fast
unerwartet einsetzenden Regenschauer oder Gewitter, von denen wir in dieser
Regenzeit zum Glück erst ein heftiges erlebt haben, bringen dann jeweils die
ersehnte Abkühlung. Einen Nachteil hat diese Jahreszeit allerdings an unserem
Standort. Kaum zeigen sich entsprechende Anzeichen am Himmel, wird öfters auch
schon der Strom von der Stadt abgestellt, was für mich, sofern ich gerade in
einem Nähkurs unterrichte, ein Umstellen der vorgesehenen Arbeiten bedeutet;
dasselbe gilt für Willi, wenn zufällig mit Schweissarbeiten beschäftigt ist
oder andere Apparaturen in Betrieb hat. Bei dringendem Bedarf haben wir
freilich die Möglichkeit auf den eigenen Generator zurückzugreifen. Dies wäre
wohl noch häufiger nötig, hätte Willi nicht verschiedene Apparaturen wie
Kühlschränke, Tiefkühltruhe, Nähmaschine etc. An Stabilisatoren angeschlossen,
welche die Stromspannung auf dem nötigen Niveau halten. Allzu oft fällt nämlich
die elektrische Spannung der Stadtversorgung auf 150-170 V statt der üblichen
220V. Viele Maschinen versagen aus diesem Grund den Dienst. So habe ich bei den
Pastorinhas schon erlebt, dass die Nähmaschine nur noch einen leisen Summton
von sich gab und die Glühbirnen nur noch leicht flackerten. In unserem Zentrum
mussten wir deswegen auch alle Neonröhren ersetzen, da sie mit dem Stadtstrom
oft gar nicht zum Leuchten kamen. Viele werden dem entgegen halten, dass wir ja
die Sonnenenergie nützen könnten – und dies wäre tatsächlich die vernünftigste
Lösung. Doch ist die Anschaffung und Installation teuer und der Import
stagniert, wie in vielen anderen Sektoren, infolge fehlender Devisen. So hat
uns diese Woche ein Beamter aus der Küstenregion erzählt, dass im Hafen von Lobito
wöchentlich noch ein Containerschiff gelöscht wird, während vorher die Schiffe
in Warteschlange auf die Entladung warteten. Bei der Solarenergie kommt
zusätzlich vor allen Dingen das Problem der Wartung hinzu. Es gibt nur wenige Fachkräfte
und wir kennen einige teure Anlagen, auch vom Staat, die still stehen infolge
fehlender oder falscher Wartung, auch wenn es vielleicht nur daran lag, dass
kein Wasser in die Batterien gefüllt wurde oder aber einfach irgendwelches
Wasser, da auf dem Markt gerade kein destilliertes Wasser im Angebot war.
Erfreulich ist, dass auf der Mission Kola in einer Bohrung
wirklich Wasser gefunden wurde. Wenn wir nächstens die Station besuchen, werde
ich genaueres darüber berichten. Ebenso konnte Willi diese Woche den Vertrag
für die Wasserbohrung bei den Pastorinhas unterzeichnen. Wenn diese Firma gut
arbeitet, werden wir sie für eine weitere Bohrung engagieren.
Am Mittwoch durften wir endlich auch das Schweizer
Ärzte-Ehepaar mit ihren 4 Kindern auf dem Flughafen begrüssen. Es ist schon
eine echte Herausforderung für sie, sich in einer Stadt wie Lubango einzuleben,
auch wenn es Viertel gibt, wo dies einfacher ist und ebenso auch private
Schulen und Kindergärten. So haben wir letzte Woche auch einen Kindergarten
besucht, dessen Bau wir noch mit Sternsinger-Geldern unterstützt haben. Wir
haben ein wirklich gut durchdachtes und sinnvoll gestaltetes Projekt
angetroffen, welches von Schwestern als Tagesstätte geführt wird. Wie
wünschenswert wäre es doch, wenn mehr Kinder von einer solchen Institution
profitieren könnten. Solche Gedanken begleiten einen, wenn man während der Fahrt
durch die Stadt Kinder auf Mühlhaufen sich tummeln sieht, wo sie spielerisch
nach „Funden“ suchen!
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