Sonntag, 22. Januar 2017


22. Januar 2017 

Heute muss ich für einmal der ENE – es ist dies die staatliche Elektrizitätskompanie – ein Kränzchen winden. Nicht dass sie über alles erhaben wäre; nach wie vor flackert oft das Licht; die Volt-Zahl erreicht gar zu oft nur 160-180 statt der üblichen 220 V. Doch haben sie jetzt zum zweiten Mal innert Kürze eine Störung behoben. Böse Zungen behaupten zwar, dies sei dem Umstand zu verdanken, dass in unserer Gegend einige neue Villen von Privilegierten entstanden seien. Wie dem auch sei, der Grund für die Störung war ein übermässig in die Tiefe hängendes Kabel, welches von einem unten durchfahrenden Camion mitgerissen wurde. Dass er dabei gleich auch den nächsten Masten mit umriss, machte die Sache nicht einfacher. Umso erstaunlicher war, dass die Stromzufuhr am nächsten Tag bereits wieder funktionierte; dies allerdings nur deswegen, weil einfach nur die Kabel zusammen gehängt wurden, welche freilich, auch infolge des zusätzlich fehlenden Mastens eher noch tiefer hingen. Und so kam es wie es kommen musste, dass dasselbe letzten Donnerstag wieder passierte. Erschwerend kam diesmal allerdings hinzu, dass unser grosser Generator nun endgültig seinen Geist aufzugeben scheint und dass das Malheur gerade passierte bevor unsere Pumpe für den Wassertank hätte eingeschaltet werden sollen, was bedeutete, dass der verbliebene Rest im Wassertank gleich aufgebraucht war und wir vorerst ohne Wasser waren, bis wir die Pumpe mit einem kleinen mobilen Generator wieder speisen konnten. Diese Stromquelle benutzte ich denn gleich am Freitag auch für den Nähkurs. Doch auch diesmal hatte die ENE bereits am Samstag die Misere behoben, während bei solchen Angelegenheiten früher problemlos 1-2 Wochen verstrichen. Wir hatten uns bereits auf ein Wochenende ohne Strom eingestellt. Wieviel und wie sehr man doch vom Strom abhängig ist, hat ja in der Schweiz glaub auch die Aktion Ende Dezember ein wenig aufgezeigt – nur dass wir uns hier dessen vielmehr bewusst sind, weil Stromunterbrüche doch öfters vorkommen. Deshalb stellt nun auch die Beschaffung eines neuen Generators, der gleichzeitig alle Bereiche des Zentrums abzudecken vermag, ein erneutes Problem dar. 

Nebst den alltäglichen Reparaturen oder Zwischenfällen wie oben beschrieben, ist Willi immer noch stark beschäftigt im Projekt der Pastorinhas. Das neue Mädcheninternat, d.h. das Haus mit den Schlafsälen und sanitären Anlagen ist fast bezugsbereit – viele der Mädchen werden zum Beginn des neuen Schuljahres am 2. Februar eintreffen und auch die verbliebenen werden dann in das neue Gebäude umziehen. Anschliessend wird das bisher bewohnte Haus, das nur aus Lehmziegeln bestand und „aus allen Nähten platzte“ abgerissen (in diesem alten Gebäude waren ja Ess- und Schlafsaal für über 20 Mädchen sowie die Küche untergebracht!) Daselbst soll der neue Ess- und Studiersaal sowie eine Küche entstehen. Die Grundmauern für dieses neue Gebäude sind bereits gelegt, so dass der Bau dann zügig voran schreiten kann.  

Heute werden wir mit Bipita und ihrer Kollegin sowie Fernando einen nahe gelegen Tierpark besuchen. Allerdings einen faden Beigeschmack hat auch dieser schön angelegte Park. Vorgängig standen hier zahlreiche Behausungen, deren Bewohner zwangs-umgesiedelt wurden. Nun, die Kinder werden sicher Gefallen finden an den Tieren, sind diese in der freien Wildnis hier infolge des Krieges doch fast ausgerottet. Ob sie wohl nochmals heimisch werden?
 
 
 
 
 
 
 

 

P.S Der Besuch des Tierparkes hat sich wirklich gelohnt, eine bewundernswerte Anlage, wenn man die Vorgeschichte nicht in Betracht zieht.

Übrigens die ersten 3 Fotos habe ich kürzlich in unserem Bairo geknipst. Sie zeigen auch etwas vom realen Leben hier.

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