Sonntag, 29. Oktober 2017


29. Oktober 2017 

Diese Woche wurde ich wieder einmal hart mit der Realität konfrontiert was es heisst, abseits jeglicher Zivilisation in extremer Armut im Busch zu leben und darauf zu hoffen, dass jegliche Krankheit sich irgendwann von selbst kuriert. So hat mir P. Jorge von der Kola drei Patienten gebracht, um sie im Cristo Rei, dem evangelischen Missionsspital vorzustellen. Unter den Patienten fand sich ein 31-jähriger Mann, stark abgemagert, unfähig auf eigene Beine zu stehen und seit kurzem auch unfähig, den Löffel selbst zum Munde zu führen; die Krankheit habe vor 2 Jahren begonnen. Zu den dreien zählte auch ein 7-jähriges Mädchen ungefähr im gleichen Zustand, einzig, dass es noch fähig war, selbst zu essen; die Krankheit hätte vor einem Jahr begonnen. Vom Transport hierher hat dann auch die alte Grossmutter profitiert, die wegen stark geschwollenen Füssen kaum gehen kann. So war ich diese Woche neben meiner Kurstätigkeit eben auch Begleiterin dieser Patienten, die ich zum Glück Ralph, unserem Schweizer Arzt vorstellen konnte. Ob bei den Gelähmten noch Therapiemöglichkeiten bestehen, werden noch weitere Abklärungen zeigen, die freilich nicht so detailliert gemacht werden können wie dies in der Schweiz möglich wäre. Allerdings ist es nun möglich, in der chinesischen Klinik, etwa 10 km ausserhalb der Stadt CT‘s anfertigen zu lassen. Dass dies für einfache Patienten jedoch unerschwinglich ist, liegt auf der Hand und es zeigt einmal mehr, wie machtlos du oft solchen Problemen gegenüber stehst. Es wäre aber auch sinnlos, die Patienten einfach ins staatliche Spital zu schicken, denn da gibt’s ausser der oft fehlenden Infrastruktur meist auch keine Medikamente. Das Gesundheitssystem liegt wirklich darnieder, so werden auch die zwei Dialyse-Kliniken in Benguela, die es seit wenigen Jahren gibt, in nächster Zeit schliessen. Die Frage, was mit den betreffenden Patienten geschieht, deren Leben ja von der Dialyse abhängig ist, lässt sich wahrscheinlich damit beantworten, dass sie entweder nach Luanda oder besser noch ins Ausland gehen, was für viele wohl nicht möglich ist, so dass sie nur auf ihr Ende warten können, so brutal dies auch klingt. Allerdings scheint die neue Gesundheitsministerin härter durchzugreifen, vor allem auch was die Korruption belangt, denn in vielen staatlichen Kliniken werden die Medikamente unter der Hand verkauft noch bevor sie die spitaleigene Apotheke erreichen, denn manchmal ist dies auch die einzige Einnahmequelle der Angestellten, da sie in vielen Spitälern seit Monaten auf ihr Salär warten. Und auch sonst schreit die Behandlung der Patienten oft zum Himmel; so liess besagte Ministerin vergangene Woche zwei Gesundheitsposten schliessen, nachdem ein Patient beim ersten Ort abgewiesen wurde und vor der Pforte der zweiten Spital starb, weil er dort liegen gelassen wurde. Heute Nachmittag fahren wir noch zu Adressia Cleopatra, dem cerebral gelähmten Mädchen, dem wir den Behinderten-Buggy bringen, den wir vom Kinderspital Zürich für sie geschenkt bekommen haben. Ihre Mutter war vergangene Woche bereits hier und freut sich riesig auf diese Hilfe. Und schliesslich müssen wir Filipe, der an der Hüfte operiert wurde noch zwei Gehstöcke bringen, damit er die ersten Gehversuche unternehmen kann. Allerdings haben wir in der Stadt keine Stöcke für Kinder gefunden, doch Willi hat „normale“ Gehhilfen entsprechend verkürzt. 

Im Weiteren nimmt das Elend mit der Stromversorgung seinen Lauf. Wir müssen jeweils froh sein, dass wir Treibstoff ergattern für die Generatoren und Fahrzeuge. Was sich allerdings seit den Wahlen geändert hat, ist die Berichterstattung in den Medien. Manchmal sind die Nachrichten voll von Berichten über Missstände, was sie allerdings noch nicht beseitigt, wahrscheinlich aber doch etwas zur Sensibilisierung der Leute beitragen kann, so dass sie vielleicht bei kommenden Wahlen etwas differenzierten vorgehen und nicht den grossen Versprechungen der Regierungspartei anheimfallen. Doch ist bis dahin noch ein weiter Weg.

P.S. Die Fotos im Anhang sind vom Kochkurs am Donnerstag, an welchem auf Wunsch der Teilnehmer auch Hühner ihr Zeitliches lassen mussten. Zu diesem Zweck habe ich Juliana und Sr. Madalena mitgenommen, denn darin bin ich kein Profi und habe auch nicht die Absicht es zu werden.
 
Kursvorbereitung

zwei kleine Kursteilnehmer

denen auch Brot schmeckt, was wahrscheinlich neu für sie ist

arme Viecher, die bald daran glauben müssen

das richtige Zerlegen eines Huhns muss geübt sein

Küche

 

heute gefällt's mir

kochen des üblichen Maisbreis

Maisbrei kochen ist strenge Arbeit

zum üblichen Mais gab's Kichererbsen und Huhn

so gut haben wir schon lange nicht mehr gegessen
barfuss geht's besser

auch den Kleinsten scheint's zu schmecken, vor allem wenn gegessen wird wie zu Hause
 
 
 
 

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