21. Januar 2018
Die vielen Regenfälle der letzten Tage haben die Temperatur
merklich sinken lassen, sodass ich mit einem Pullover bewaffnet am Computer
sitze. Freilich kann sich dies auch schnell wieder ändern und eine drückende
Schwüle das nächste Gewitter ankünden. In unserer Gegend jedenfalls können sich
die Menschen in letzter Zeit nicht über fehlendes Nass beklagen, was denn auch
die Landschaft in üppiges Grün verwandelt hat und Pflanzen und Unkraut
gleichermassen spriessen lässt. Allerdings gibt es in diesem grossen Land
weiterhin noch Regionen, welche über Dürre klagen. Würde die Landwirtschaft nur
ein wenig besser gefördert, wäre die Versorgung solcher Landstriche durch Gebiete
mit guter Ernte kein Problem und sie müssten sich nicht über Hunger beklagen.
Aber eben – das Ungleichgewicht zeigt sich auf allen Ebenen.
Im Parlament gab diese Woche der Finanzhaushalt zur reden.
Laut der Ansprache des Präsidenten gehen 52 % der Budgets zu Lasten der
Schuldentilgung!! Es scheint wirklich so, dass die letzten Jahrzehnte alle
Investitionen auf „Pump“ getätigt wurden, während die Tochter aus erster Ehe
des ehemaligen Präsidenten als erste Milliardärin Afrikas in die Geschichte
eingeht! Die Löcher in den Strassen unserer Stadt könnten ein Abbild sein für
die Löcher im Finanzhaushalt. Dass neben dem Gesundheitssystem auch das
Bildungssystem im Argen liegt, zeigte sich diese Woche ebenfalls in vielen
Debatten. So rechnet die Regierung damit, dass beispielsweise im Distrikt
Cabinda 6000 Kinder nicht eingeschult werden können, sei es wegen Lehrmangel
oder fehlender Gebäude, resp. Infrastrukturen, während diese Zahl sich in der Region
der Hauptstadt auf über 100‘000 beläuft und in der Küstenregion von Benguela
über 60‘000! In einer Universität der Hauptstadt stehen für 40‘000 Bewerber
lediglich 5000 Studienplätze zur Verfügung. Leider spielt im letzten Punkt die
Tatsache, dass es praktisch keine Lehrstellen für handwerkliche oder auch
Büroberufe gibt sicher eine grosse Rolle. So ist eine Laufbahn fast nur über eine
Uni möglich. Dass grosse Problem ist freilich die nach dem Krieg
sprunghaft angestiegene Kinderzahl; so liegt das Durchschnittsalter laut einer
Studie der Unicef bei 18.2 Jahren! und die Geburtenzahl einer Frau bei 6.2
Kindern! – ein kaum lösbares Problem, vor allem weil eine Geburtenkontrolle nur
bei der Frau liegt und oft aus finanziellen Gründen oder mangelnder Aufklärung
nicht realisiert werden kann.
Und es ist tatsächlich nicht so, dass gar kein Arbeits- oder Bildungswille vorhanden wäre, wenn auch viele Männer tatenlos herumstehen, sei es, weil sie nicht gewillt sind zu arbeiten, mehr aber noch, weil sie keine Arbeit finden. Doch dass viele jegliche Möglichkeit zu arbeiten oder sich weiter zu bilden wahrnehmen, haben auch drei weitere Jugendliche vergangen Woche wieder bewiesen, die sich ihre „Sommerferien“ zunutze machen wollten um das Nähen zu erlernen und sich sehr geschickt angestellt haben. Sie wollen auch kommende Woche weiter machen. Noch mehr erstaunt haben mich die über 30 Frauen unserer Pfarrei, die einmal pro Woche zusammenkommen um gemeinsam zu nähen und andere Handarbeiten auszuführen. Ich war wirklich erstaunt, als mich die leitende Schwester vor zwei Wochen um Unterstützung gebeten hatte, was diese Frauen alles in mühsamer Handarbeit hergestellt haben. Seither habe ich nun noch einen weiteren „Job“, der mir aber sehr viel Freude macht. Doch auch Willi ist nicht arbeitslos. Der grosse Küchenumbau, resp. Erweiterung schreitet voran, allerdings verlangen auch unvorhergesehene Reparaturarbeiten in den verschiedensten Bereichen seine Anwesenheit wie beispielswiese eine Waschmaschine, die nicht mehr funktioniert und dabei häufen sich die Berge von Wäsche, da gerade ein Kurs im Bildungszentrum zu Ende gegangen ist oder ein Rohrbruch in einem der Unterkunftshäuschen oder eine Wasserpumpe, die plötzlich streikt usw.
Nachfolgend einige Bilder von Strasse und Verkehr
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