Sonntag, 18. Februar 2018


18. Februar 2018 

Vielleicht habe ich die Fasnacht hier doch ein bisschen unterschätzt. Jedenfalls waren Montag und Dienstag aus diesem Grund schulfrei, wenn hier auch kein Fastnachtstreiben stattfand. So kommt es, dass der eigentliche Schulbetrieb wieder erst mit viel Verspätung aufgenommen wird, vielerorts erst morgen, statt wie offiziell vorgesehen am 1. Februar. Da der 1. Februar auf die zweite Wochenhälfte fiel, war ja zum vorneherein klar, dass der Beginn verschoben würde. Dazu kam der 4. Februar, Gedenktag der ersten Aufstände 1961 der Einheimischen gegen die Portugiesen, welcher als grosser Feiertag gilt und von welchem auch der Flughafen in der Hauptstadt seinen Namen hat. Da auch dieser Tag auf einen Sonntag fiel, wurde er erst am nachfolgenden Arbeitstag begannen, um der Sache mehr Gewicht zu geben. Übrigens werden alle Feiertage (von denen es hier eine Menge gibt), die auf einen Sonntag fallen auf den nächsten Arbeitstag verlegt; früher galt dies sogar für Feiertage, die auf den Samstag fielen. Gut, profitieren können davon nur diejenigen, welche im Monatslohn arbeiten, das Fussvolk, welches keine Arbeit hat oder als Taglöhner sein Brot verdient, hat daran keinen Anteil oder verliert sogar noch den Verdienst des Tages, wenn keine Taglöhner gesucht werden. Deshalb werden diese Feiertage auch gar nicht mehr so streng eingehalten, ausser dass eben alle offiziellen Büros oder spezielle Läden geschlossen haben. 

Intensiver beschäftigen zurzeit die Menschen die massiven Regenfälle in gewissen Regionen. So sind etliche Quartiere in der Hauptstadt überschwemmt, u.a. eines auch, weil eine Fabrik einen Kanal öffnete, was eine massive Überflutung eines grossen Armenbezirkes zur Folge hatte. Und da das Abfallproblem in den meisten dieser Elendsviertel immer noch ungelöst ist und sich überall Abfallhaufen türmen, schwimmt der ganze Unrat nun in dieser Überflutung – ein unvorstellbares Bild, das zum Himmel schreit. Von all dem werdet ihr im Internet wohl kaum etwas antreffen, sondern lediglich die schöne Strandpromenade. Bei den Bewohnern jedoch hinterlässt die Situation Verzweiflung, denn viele haben dadurch ihre oft schon klägliche Habe verloren. Oft besitzen die Ärmsten nur gerade, was sie am Leibe tragen und ein etwas besseres Kleid oder Hemd und Hose, welches sie für besondere Tage aufheben. Die Tante von Filipe erzählte mir mal, dass es auf dem Lande oft so sei, dass ein Kind oft einmal im Jahr etwas Neues zum Anziehen bekommt, was dann wiederum bis zum nächsten Jahr hinhalten muss und lediglich zum Waschen ausgezogen wird.
 
auch das Einzige,was dieser Früchteverkäufer an Kleider hat
anscheinend schon länger kein Wasser mehr gesehen
 
 
Zu hoffen ist wenigstens, dass die Menschen dort, wo der Regen in normalen Mengen gefallen ist, mit einer guten Ernte rechnen dürfen.

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