Sonntag, 18. August 2019


Sonntag, 18. August 2019 

Es ist auch hier nicht so, dass jede Woche weltbewegende Dinge sich ereignen. So vergehen Tage auch mit der alltäglichen Routine und schon ist wieder Wochenende. Und doch gibt es Gegebenheiten, die sich vom Leben in der Schweiz unterscheiden. Hier ein paar Kostproben. 

Könntet ihr euch vorstellen, in der Schweiz an eine Tankstelle zu fahren und erst zu fragen: Hat es Benzin? Der Tankwart – sofern ein solcher an Ort – würde wahrscheinlich denken, dass ihn jemand zum Narren hält. Ein Unterschied besteht darin, dass es hier nur Treibstoff via Tankwart gibt, Selbstbedienung ist hier unbekannt. Der zweite Unterschied besteht tatsächlich darin, dass einmal Benzin, ein andermal Diesel fehlt – und dies im Land mit der zweit grössten Ölförderung Afrikas! 

Um gleich bei den Autos zu bleiben: es besteht keine Fahrzeugkontrolle, wenigstens bis anhin nicht, soll sich nach den neuesten Nachrichten aber 2020 ändern, was gelinde gerechnet mindestens 1/3 weniger Verkehr bedeuten würde, denn was da manchmal auf den Strassen umherkurvt, spottet jeder Beschreibung! Nicht, dass auch neue und teure Autos herumfahren, denn auch hier (wohl kein Unterschied zu Europa) wird das Geld zuerst in einen fahrbaren Untersatz investiert (mindestens gleich nach dem Fernseher). Doch ist schon anzumerken, dass viele bessere Wagen von der ehemaligen Regierung an die meisten Beamten gesponsert wurden – wohl auch ein Unterschied zur Schweiz. 

Viele alte Schrottautos dienen auch zu Taxifahrten, der positive Aspekt besteht wohl darin, dass der Besitzer auf diese Weise seine Familie ernähren kann. Nebst der Existenz dieser Taxisten florieren auch die Motoqueros = Töfftaxis. Du winkst einfach einen vorbeifahrenden heran und setzt dich hinten auf den Soziussitz. Ob du dabei noch ein Kind oder einen Sack Mais zwischen dich und den Motoristen zwängst oder ein grosses Plastikbecken seitlich unter den Arm klemmst , spielt keine Rolle; ebenso kann das auf den Rücken gebundene Kleinkind problemlos mitfahren. Nicht selten triffst du einen Mitfahrer hinter einem Stapel Bierharasse, an denen er sich festhält. Teurer wird’s erst, wenn statt einer zwei erwachsene Personen auf dem Sozius Platz nehmen. Ein Kind darf ruhig auch vor den Fahrer platziert werden und sich an der Lenkstange festhalten Auf diese Weise kann ein Vater seine ganze 5-köpfige Familie ausfahren. Aber auch Tiere wie Schweine und Ziegen können so transportiert werden. Neu gilt für den Lenker Helm-Obligatorium; da gibt es vom Supermodell bis zum alten Tropen- oder Militärhelm alles. 

Ein Unterschied besteht auch im Mitnehmen von Kindern und dem Transport von Waren für den täglichen Gebrauch. Kinder bis zu ca. 2 Jahren (bis sie nicht mehr gestillt werden) werden mit einem Tuch auf den Rücken gebunden. Für das Kind ergeben sich daraus 2 positive Aspekte; erstens spürt es immer die Nähe der Mutter, kann überall mitgenommen und gestillt werden und kann schlafen, wann es das Bedürfnis hat. Oft bleibt es auch auf dem Rücken während der Arbeit der Mutter, sei es beim Kochen, bei der Feldarbeit oder zum Wasser holen oder auch beim Waschen der Wäsche; zweitens zeigen sich durch die gespreizte Beinhaltung des Kindes auch weniger Hüftprobleme. Zudem hat die Mutter beide Hände frei für die beschriebenen Tätigkeiten und sie kann weiterhin Lasten auf dem Kopf tragen, was hier die allgemein übliche Transportart ist. Dabei staunt man wirklich, wie elegant bereits Kinder Lasten auf dem Kopf balancieren und vor allem, welche Gewichte manchmal auf die Köpfe gestemmt werden; es kann so weit gehen, dass eine Drittperson die Last hochheben muss, da die Trägerin selbst dazu nicht im Stande wäre. Noch eine Anmerkung zum Tuch. Es ist das Hilfsmittel ersten Ranges, kann also gebraucht werden zum Tragen des Kindes, dient ebenso als Kleidung, kann als zusätzlichen Umhang bei Kälte um die Schultern gelegt werden; auch werden die Lasten auf dem Kopf mit einem Tuch zusammengehalten und schlussendlich dient es auch als Unterlage, um sich irgendwo hinzusetzen oder das Kleinkind darauf zu legen. 

Ein weiterer Unterschied besteht im Strassenverkauf, der zwar vor allem für Esswaren bereits verboten wurde, aber noch nicht ganz eliminiert werden konnte. In der Stadt preisen vielerorts Knaben WC-Papier und Papierservietten an sowie auch diverse Sorten von Kabeln zum Aufladen von Natels, Computern etc. Andere kurven mit verschliessbaren Plastikcontainern herum, in welchen sie in Öl gebackene Teigtaschen anbieten und wieder andere tragen verschiedene Arten von Besen auf ihren Schultern. Aber auch Frauen zirkulieren durch die Strassen mit auf dem Kopf balancierenden Plastikbecken, z.B. mit Säcken mit Waschpulver oder Seife und Zahnpasta und dgl. oder aber auch mit Biskuitrollen und Erdnüssen, während andere Salat und Früchte anbieten. Nicht selten begegnet man auch Menschen, die Ihre Arme vollgehängt haben mit Kleidern oder auf dem Kopf ein Becken mit Schuhen balancieren. Alle aber haben das gleiche Ziel: etwas zu verkaufen, um mit dem Erlös ihre Familie durchzubringen. 

Freilich gäbe es noch eine ganze Liste von unterschiedlichen Gegebenheiten zum Leben in der Schweiz, z.B. Kinder und Frauen, die das nötige Wasser in Kübeln nach Hause schleppen, Menschen, die ihre „Dusche“ im Fluss nehmen und Frauen, die ihre Wäsche ebenfalls dort waschen sowie auch Essgewohnheiten, die uns eher fremd sind usw. usw.
 









 

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