Sonntag, 1. September 2019
Ob sich die Menschen hier wohl auch ärgern über den Staub,
der sich nach lang anhaltender Trockenheit überall so schnell ansetzt, was mich
dazu bringt, den Besen wieder zur Hand zu nehmen, obwohl ich doch erst gestern
den Staub gewischt habe in unserem Zimmer. Ich denke, dies ist schon eher mein
Problem, die meisten kämpfen nicht in erster Linie mit dem Staub. Drum hier
einige Begegnungen und „Alltags“-Ereignisse der vergangenen Woche.
Gabriel, ein älterer Mann aus dem angrenzenden Hochplateau
kommt jedes Jahr unsere Hecken zu schneiden. Dafür nimmt er täglich den weiten
Fussweg von über 1 Stunde in Kauf und nach getaner Arbeit den um einiges mühsameren
Rückweg den Berg hinauf. Durch seinen Verdienst erwarb er sich u.a. einen Sack
Mais mit 150 kg. Um denselben nach Hause zu bringen, organisierte er seine
Familie an den Fuss des Berges, wohin wir den Sack mit dem Landcruiser
brachten. In kleinere Mengen abgefüllt, trugen die Angehörigen den Mais dann
bergwärts, da keine befahrbare Strasse hinaufführt. Dabei fiel mir eine junge
Frau durch ihren mühsamen Gang auf, der daher rührte, dass ihr Fussrücken nach
einer Schnittverletzung stark angeschwollen war. Auf meine Bemerkung, dass dies
wirklich einer Behandlung bedürfe, meinte sie lediglich: dafür habe sie keine
Möglichkeit.
Ähnlich geht es dem Mann, der diese Woche um Geld bat für
eine Behandlung seiner Knieverletzung, die er seit Jahren mit sich herumschleppt.
Die Schmerzen und die sich dauernd verschlechternde Wunde haben ihn zu diesem
Gang gezwungen. Oder da ist auch das bald 1-jährige Kind, das seit der Impfung
im 3. Monat an einer schweren Infektion an der Injektionsstelle leidet. Obwohl
deswegen schon einmal im Staatsspital behandelt hat sich die Entzündung auf den
Oberschenkel ausgeweitet und verursacht starke Schmerzen, weshalb das Kleine
dauernd weine. Das Kind selbst werde ich erst kommende Woche zu Gesicht
bekommen. Die Schwestern im Kloster der Clarissen erwähnten den Fall lediglich
als ich mit ihnen vergangene Woche Wundsalbe herstellte. Ich dachte mir, dass
die Herstellung einiger Salben zum Lebensunterhalt der Schwestern beitragen
könnte, zumal die Schwestern auch sehr interessiert daran waren. Zudem sind auf
diese Weise hergestellte Salben für die ärmere Bevölkerung leichter zu
erstehen, als teure Produkte in der Apotheke. Auch erinnerte ich mich, dass die
gleiche Schwesternkongregation im Jakobsbad ja auch eine Apotheke führt.
Ein Ereignis anderer Art: Gestern kam Tarcisio aufgebracht
von einer Aussenstation zurück, wo in der Umgebung der Kapelle 20 junge Bäume
gefällt (jedoch noch nicht abtransportiert) worden waren. Die Anwohner wussten
lediglich zu berichten, dass die Chinesen gut dafür bezahlen (worunter trotzdem
noch ein Spottpreis zu verstehen ist). Freilich wusste natürlich kein Mensch,
wer diese Aktion durchgeführt hat, denn obwohl sicherlich bekannt, würde
niemand wagen, jemanden zu verraten aus Angst vor dessen Rache, welche traditionsmässig
in schwarzer Magie erfolgen würde. Obwohl die Androhung solcher Vergeltung
sicherlich weit häufiger ist als die tatsächliche Anwendung derselben, sind
alle gefangen in dieser Angst, was Fortschritte für das tägliche Leben oft
schwierig macht. Da braucht es noch viel Aufklärung resp. Bildung, denn Vieles,
wo wir uns an den Kopf greifen ist, nur möglich auf dem Boden von Unwissenheit.
Doch zurück zum Holzschlag; Tarcisio liess sogleich alle Stämme
abtransportieren – nun lagern sie bei uns im Hof.
Zum Schluss noch eine erfreuliche Aktion. Auf einem Schulhof
fand Willi einen Haufen kaputter kleiner Pulte. Er holte den ganzen Stapel in
die Schreinerei. Mit einigen Ersatzbrettern konnten die Arbeiter daraus 10
solide Schülerpulte herstellen, welche gleich auf eine Aussenstation
transportiert wurden, wo unseres Wissens die Schüler immer noch auf dem Boden
sitzen. Allerdings hatte das Dorf von der Regierung in der Zwischenzeit auch
einige Pulte erhalten, welche aber gemäss IKEA-System zusammengesetzt werden
mussten. Da aber die Schrauben fehlten und niemand im Dorf einen
Schraubenzieher oder dgl. besitzt, werden diese Pulte nun auch in der Schreinerei
zusammengesetzt. Zusammen mit den ersteren ergibt sich daraus ein schönes
Klassenzimmer, sicher zur Freude der Schüler.
| manchmal sieht man bei diesem Dunst nur die halbe Stadt |
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