Sonntag, 24. Oktober 2021

 24. Oktober 2021 

Am Freitag haben wir es endlich geschafft, nach Tchinjenje zu fahren nachdem wir tags zuvor die fehlenden Dokumente per DHL nach Luanda schicken konnten, nicht zuletzt auch dank einer sehr netten und kompetenten Administrationsbeamtin. Übrigens im Gesundheitsattest wird uns eine optimale Gesundheit bestätigt, es seien auch keine infektiösen Krankheiten nachgewiesen worden, vor allem auch eine Tuberkulose. Das Dokument ist mit offiziellem Stempel und Unterschrift vom Amtsarzt versehen, obschon wir nie einen Arzt gesehen haben.

Die junge Beamtin am Schalter der Administration hat uns einmal mehr bestätigt, dass sich Investition in Bildung einfach lohnt. Wir haben auch ausser ihr mehrmals junge Menschen angetroffen, die ihre Arbeit sehr kompetent erledigen. Doch das Sagen hat meistens noch eine ältere Generation, die auch ihre Sessel sicherlich nie freiwillig räumt. Zudem erschwert das System vielen jungen Leuten mit Ausbildung den Eintritt ins Berufsleben, auch wenn es in den spezifischen Branchen an Arbeitskräften fehlt. So können z.B. Pflegefachfrauen und –männer wie auch Lehrer/Innen nach Diplomabschluss sich nicht einfach wie bei uns um eine ausgeschriebene Stelle bewerben, weil es diese so gar nicht gibt; sondern der Staat genehmigt von Zeit zu Zeit (wahrscheinlich je nach Budgetstand) eine gewisse Anzahl neuer Stellen, sei es im Gesundheits- oder Schulsektor oder auch auf Administrationsebene. Auf solche Ausschreibungen können sich Kandidaten jeweils bewerben, wobei die Besten eher eine Chance haben, sofern nicht andere Beziehungen spielen. So warten zurzeit auch zwei Pflegefachfrauen, die wir während der Ausbildung unterstützt haben auf die nächste „Aushebung“. Dieses System erlaubt es leider auch nicht, die überall fehlenden und so dringend benötigten Fachkräfte im Gesundheits- und Lehrsystem zu generieren. Es erfordert von den Kandidaten auch eine gewisse Flexibilität, ihren Beruf vorerst in einer abgelegenen Gegend auszuüben, wo es vielleicht weniger Bewerbungen auf eine Ausschreibung gibt. Wichtig ist dabei auch, die Absolventen/Innen in ihrer Ausdauer zu unterstützen. Dass gerade junge Frauen oft ein bewundernswertes Engagement in ihrer Berufstätigkeit zeigen, ermuntert uns auch, in der Unterstützung der Weiterbildung fortzufahren, was uns dank Eurer Hilfe bereits mehrfach möglich war. Diese Woche hatten wir diesbezüglich auch ein eindrückliches Erlebnis. Willi hat bereits vor einiger Zeit seinem besten Arbeiter angeboten, seine Töchter in ihrer Berufsausbildung zu unterstützen, nachdem der Vater ihn darum gebeten hatte. So hat die erste bereits Krankenpflegeschule absolviert und studiert weiter als Apothekerin. Auch die zweite besucht seit Sommer mit Erfolg eine höhere Schule. Nun erschien der Vater ganz niedergeschlagen zur Arbeit, weil die Tochter die Ausbildung nicht weiter verfolgen könne ohne einen eigenen Computer, was er sich niemals leisten könne. Zum Glück hatte Willi bereits einen nicht mehr benutzten, aber gut aufgerüsteten Laptop im Gepäck mitgenommen, welchen wir Isabelle überreichen konnten. Überwältigt von dieser positiven Wende, flossen bei ihr plötzlich die Tränen, weil es ihr angeblich bewusst geworden sei, dass sie dank unserer Geste ihren Berufswunsch als Lehrerin weiter verfolgen könne. Dieser Dank gehört auch Euch!-

Bei der Ankunft am Freitag auf der Missionsstation Tchinjenje waren wir überrascht ob der vielen anwesenden Menschen, welche an freien Plätzen in und um die Station am Vorbereiten von Feuerstellen und Lager waren. Grund: Heute Sonntag war Firmung von vielen Kindern und Jugendlichen mit Anwesenheit des Bischofs. So gerieten wir unvorbereitet in den Tumult eines grossen Festes. Von vielen, teils weit entfernten Zentren sind die Menschen angereist, und nehmen es oft nach stundelangen Fussmärschen als selbstverständlich in Kauf auf Matten in den noch vorhandenen Ruinen oder im Freien die Nacht zu verbringen. Dabei erstaunt es immer wieder, wie herausgeputzt sie dann doch zum Fest erscheinen, obwohl die Bedingungen um einiges einfacher sind als in einem Zeltlager. Eindrücklich bei einem solchen Fest ist immer der jeweilige Opfergang oder Gabenbereitung, wobei von Esswaren über Hühner und andere Tiere alles zum Altar gebracht wird. Heute hat man zwar deutlich erkennen können, dass die Gaben nicht so vielseitig waren, sondern wirklich nur Produkte aus der Region, was eben auch die momentane Situation widerspiegelt.

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