23. Oktober 2022
Bereits ist es schon wieder Mittag und ich bin erst zurück aus der Küche.
Nachdem mir Willi gestern aus Huambo Hackfleisch mitgebracht hat, habe ich mich
nach dem Brunch dran gemacht, Hackbraten zu kreieren, allerdings ohne Brät
(welches in Angola scheinbar nicht erhältlich ist) und welcher nun im Ofen
brutzelt. Mal sehen, wie er ankommt. Obwohl die Mannschaft mittags immer ihren
gewohnten Maisbrei mit einem Bohnengericht wünscht, schätzen sie abends auch
die europäische Küche. Freilich kann ich bei weitem nicht eine Palette offerieren
wie sie in der Schweiz auch bei einer einfachen Küche bestünde. Doch habe ich
diese Woche einmal Spätzli auf den Tisch gebracht, was grossen Anklang fand, auch
wenn sie nur mit ganz wenig Käse verfeinert wurden, da letzterer sündhaft teuer
ist.
Ja, die einfache Bevölkerung ernährt sich schon sehr einseitig. Das
tägliche Brot ist wirklich einfach Maisbrei, ergänzt sofern vorhanden mit einer
Beilage, die aus Trockenbohnen besteht mit eventuell zusätzlich Tomaten, Zwiebeln
oder auch etwas Grün. Meist wird auch höchstens zweimal täglich gegessen. Vor
allem die Zubereitung der Mahlzeiten ist für eine Hausfrau aufwändig. Die
Maiskörner müssen erst mal mit einer Keule zu Mehl zerklopft der zur Mühle
gebracht werden, sofern in der näheren Umgebung vorhanden. Nicht zu vergessen
ist die vorangegangene Handarbeit vom Beackern des Feldes und Pflanzen und
Ernten des Mais mit anschliessendem Entkernen der Kolben, Waschen und Trocknen
derselben bis zur Verarbeitung zu Mehl. Auch bei den Trockenbohnen ist der
Aufwand gross und ncht weniger beim Grünzeug. Für letzteres macht sich die Hausfrau
in der Früh auf zum Feld, welches manchmal in grosser Distanz zur Hütte liegt,
um daselbst Blätter von den Stauden von Kartoffeln, Süsskartoffeln oder auch
Maniok zu schneiden. Daraus bereitet sie anschliessend eine Art Spinat. Da in
den Hütten keine Möglichkeit zum Tiefkühlen gegeben ist, muss also jedes Mal
dieselbe Prozedur durchlaufen werden.
Wenigstens hat die Regenzeit rechtzeitig eingesetzt. So hatten wir in der
vergangenen mehrere intensive Regenschauer, einmal allerdings sogar mit Hagel.
Zum Glück rechtete dieser keinen grossen Schaden an. Doch zeigt sich auch das
Wetter regional unterschiedlich. Während hier das Grün dank dem Regen zu
spriessen begonnen hat, leidet die Region um Lubango immer noch unter mangendem
Nass. Die bis jetzt seltenen leichten Regenfälle mochten den Grundwasserspiegel
nicht zu heben, so dass die Menschen nach
wie vor das Wasser von den Zisternenwagen kaufen müssen.
Nochmals einen Blick auf die Bevölkerung um Tchinjenje und dabei habe ich
die vielen Kinder im Focus, die eine spontane Fröhlichkeit ausstrahlen trotz
ihrer zerlumpten Kleider. Da kommt mir oft die Aussage eines angolanischen
Patres in den Sinn, der jahrelang in Rom studiert hat, welcher uns vorgeworfen
hat, Fotos von verwahrlosten Kindern nach Europa zu schicken, um damit auf die Tränendrüsen
der Menschen zu drücken und so Unterstützung zu generieren. Wenn dann diese
Kinder vor mir stehen, wünsche ich oft dies Pater hierher, denn vor mir stehen
zwar lauter fröhliche Kinder, jedoch allesamt verschmutzt und dreckig und in zerschlissenen
Kleidern. Fotos von sauber gekleideten Kindern könnte ich höchstens sonntags
machen. Da staune ich dann, wie doch einige von ihnen wahrscheinlich das
einzige ansehnliche Kleidungsstück hervorzaubern für den Kirchgang.
Mit unserer Arbeit sind wir recht gut vorangekommen. Allerdings ist es
Willi auch in Huambo nicht gelungen die nötigen Verbindungsstücke für den
Anschluss der Wasserleitung an den neu errichteten 2-Kammer-Wassertank zu
erstehen. So umgeht die Wasserleitung vorläufig immer noch den Wassertank,
welcher als Filteranlage dienen würde. Dies hat zur Folge, dass Erde, die bei
starkem Regen ins Wasser gespült wird, sich nicht im Tank niedersetzen kann und
in der Leitung bleibt. Wir hoffen in Lubango die nötigen Teile zu finden.
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