Sonntag, 24. September 2023
Dienstagmorgen mit der Landung um 05.30 sind wir wieder in die Realität von Angola eingetaucht, und diese sieht nach wie vor nicht sehr rosig aus. Jedenfalls liess die Tatsache von Menschen, die in einem offenen Abfallcontainer ganz in der Nähe des Flughafens nach etwas Brauchbarem wühlten, nicht auf eine Verbesserung der Lebensumstände in den letzten Monaten schliessen. Im Gegenteil, mit dem doch respektablen Zerfall der einheimischen Währung in letzter Zeit ist alles teurer geworden, bei mehr oder weniger gleichbleibenden Löhnen für diejenigen, die einem regelmässigen Erwerb nachgehen. Für die weitaus grössere Mehrheit ohne dieses Privileg gestaltet sich die Situation noch prekärer. Als Veranschaulichung: im Frühling lag der Wechselkurs bei ca. 1:500 (1 Euro = ca. 500 AKz), jetzt liegt er bei 1:99 (1 Euro = fast 1000 AKz), was natürlich auch die Inflation massiv angeheizt hat; so bezahlt man nun das Doppelte für Diesel, ein Sack Reis (25 kg) ist von 10'500 auf 20'000, ein Sack Zement von 3'600 auf 5'200 gestiegen. Die Liste könnte noch beliebig weitergeführt werden.
Dass unser Alltag auch sonst sich vom Alltag on der Schweiz unterscheidet, zeigte sich auch vergangene Woche, während welcher an 3 Tagen der Strom ausgefallen ist, was eine normale Tätigkeit sehr erschwert. Hinzu kommt noch, dass der Diesel im Moment Mangelware ist (und dies in einem Öl fördernden Land!!), so dass wir auch nicht einfach nach Belieben den Generator einschalten können.
Es gibt aber auch Positives zu vermelden. So konnten wir dank unseren Sponsoren in der vergangenen Woche die verschiedenen Schul- und Studiengebühren begleichen für die Schüler und Studenten, die uns um Unterstützung gebeten haben und dank der Tatsache, dass diese Gebühren nicht so stark gestiegen sind wie die übrigen Lebenskosten und des für uns guten Wechselkurses ist sogar noch etwas übrig geblieben, was wir zusätzlich in Schulmaterial investieren können. Was mich in diesem Zusammenhang manchmal schon etwas belastet ist, wenn ein 20-jähriger Student uns um umgerechnet 10.- Franken für eine Zusatzgebühr bitten muss, da er selbst keinen Pfennig besitzt, da seine Familie diesen Betrag sonst am bereits notdürftigen Essen absparen müsste oder einer uns erklären muss, dass er seine Schlussarbeit nicht abgeben könne, wenn sie nicht mit einem Computer verfasst sei und er natürlich keinen besitzt. Dabei denke ich dann an unsere Grosskinder, die bereits in der Primarschule einen Laptop zur Verfügung haben.
Positiv vermerken dürfen wir vor allem auch den Erhalt der bei Medeor Deutschland (medizinisches Hilfswerk) bestellten Medikamente, dies nach wochenlangem Warten für die Einfuhrbewilligung. Von Luanda aus wurden die 30 Kartons per Lastwagen zu uns gebracht. Ich erwähne dies, weil sich auch bei diesem Transport die Unterschiede Schweiz-Angola zeigen. Infolge schlechter Strassenverhältnisse benötigte der Lastwagen für die gut 1000 km 2 Tage plus eine zusätzliche Nacht wegen eines Defekts am Vehikel. Im Norden unserer Stadt angekommen, bat der Chauffeur uns per Telefon ihn dort abzuholen, um ihm den weiteren Weg zu uns (im Südwesten der Stadt) zu weisen, da es im Land kaum Wegweiser gibt, in unserer ca. 2 Millionen Stadt könnte ich sie sicher an einer Hand abzählen. Das Navi ist auch noch Zukunftsmusik und wäre ja gar nicht einsetzbar, solange die Strassen nicht verzeichnet sind. Vielleicht könnt ihr nachfühlen, wenn wir bei unserer Ankunft in Luanda jeweils sagen: so jetzt müssen wir mal erst den Schalter umstellen.
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