Samstag, 10. Oktober 2026

 

Samstag, 10. Oktober 2026 

Ursprünglich hatten wir geplant, so rasch wie möglich nach unserer Ankunft hier zur Mission Kola zu fahren, um noch vor den ersten schweren Regenfällen auch problemlos? den Fluss zu durchqueren- Doch musste unser Landcruiser vor dieser Fahrt noch überholt werden. So fahren wir morgen, weshalb ich euch heute kurz berichten möchte. 

Nach einigen Monaten Aufenthalt in der Schweiz fallen uns die Unterschiede dieser zwei Länder wieder vermehrt ins Auge. Gegebenheiten, die bei längeren Aufenthalten hier allmählich zum Alltag gehörten, sind plötzlich wieder schwieriger als gegeben zu akzeptieren. Ich denke da vor allem an die miserablen Lebensbedingungen, unter denen ein Grossteil der Bevölkerung lebt. Wir realisieren dies auch, weil mehr Menschen um Unterstützung bitten für alltägliche notwendige Dinge sowie u.a. auch zur Verbesserung ihrer Wohnsituation. So klagt z.B. Hilario dass er dringend 4 neue Wellbleche für sein Haus bräuchte, damit er und seine Familie in der kommenden Regenzeit vor Nässe geschützt seien: Ich hätte ihm entgegnen können: Du hattest aber genügend Zeit, dies während der vergangenen Trockenperiode zu reparieren. Gleichzeitig weiss ich aber, dass er mit seinem Gehalt kaum seine Familie ernähren kann. Und Hilario ist nicht der Einzige. So kommen täglich neue Bittsteller, die beim besten Willen das Geld für die nötigen Reparaturen nicht aufbringen können. Unter ihnen ist auch Joana. In einem kleinen Anbau hatte sie ihr Nähatelier eingerichtet, mit welchem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Leider wurde dieses Gebäude bei einem der Stürme Ende der letzten Regenzeit zerstört. Was davon übriggeblieben ist, zeigt das Foto. Seitdem arbeitet sie in einem winzigen dunklen Zimmer, wo sie auch schläft. Unterstützen können wir in einzelnen Fällen, wo es die Not absolut erfordert, nur mit Baumaterial, die Arbeiten müssen von den Betroffenen selbst ausgeführt werden. 

Vergangene Woche haben wir mit allen unseren 25 Jugendlichen, die auch dank euerer Unterstützung weiterführende Schulen besuchen, Gespräche geführt. Es ging u.a. darum abzuklären, um wieviel sich die Schulgebühren und Transportkosten erhöht haben. Dabei haben wir sie auch erneut auf die Bedingungen unserer Unterstützung hingewiesen. Es sind schöne Momente zu sehen, wie sich die jungen Menschen entwickeln in der Hoffnung auf eine Perspektive in ihrem Leben. 

Einer für Willi und mich positiver Aspekt in Afrika ist der Respekt vor dem Alter. Wenn wir auch von Fremden mit Mama und Vater angesprochen werden, deutet das keineswegs auf Unhöflichkeit, sondern ist ebenfalls respektvoll. Auch an offizieller Stelle werden wir als ältere Personen oft mit Vorzug behandelt, so kürzlich in einer sehr modernen Apotheke wo wie in der Schweiz beispielsweise auf der Post beim Eintreten eine Nummer gezogen werden muss. Doch der Türsteher nahm mir gleich den Zettel aus der Hand und reichte mir einen mit der Aufschrift für den Schalter Priority, wo gleich auch aufgerufen wurde. Allerdings hat dieser Respekt auch eine Kehrseite, denn einer älteren Person darf eigentlich nicht widersprochen werden. Ein Beispiel dazu: Auf einer unserer Missionsstationen bat uns ein junger initiativer Pater um eine Maismühle, damit die Menschen der Umgebung nicht mehr den weiten Weg zur nächsten Mühle zurücklegen müssten, Zudem könnte die Mission auch ein klein wenig finanziell davon profitieren. Der Missionsobere aber fand, dass er dieses Geld dringend für die Wiederinstandstellung des Autos bräuchte. Da nun Willi der Verwalter dieses Betrages war, wurde die Maismühle installiert und die Menschen der Umgebung sowie die Mission profitieren davon. Der Jüngere hätte keine Chance gegen den Oberen gehabt ohne die Unterstützung von Willi.

 


                                                                Überreste von Joanas Anbau 

                                                                nachfolgend Wohnsituation von vielen






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