Sonntag, 25.10.20026
Auch wenn auf dem Land bereits die ersten Pflanzungen getätigt wurden und die Menschen deshalb auf Regen warten, scheint sich die Regenzeit noch etwas gedulden. In unserer Gegend war der Niederschlag bis jetzt kaum der Rede wert und die Mission Kola meldete, dass seit unserer Abreise kein Tropfen mehr gefallen sei. Was geblieben ist, ist die für diese Jahreszeit grosse Hitze mit intensiver Sonneneinstrahlung Auch hier verändern sich die Gewohnheiten der Natur.
Auch unsere Woche verlief nicht wie geplant. Am Mittwochmorgen wollten wir eigentlich nach Malongo, um auf dieser Station die Malerarbeiten für das Knabeninternat abzuklären und anschliessend weiter nach Cubal, wo wir einen Blick auf das vor 3 Jahren renovierte Internat werfen wollten. Auf dem Rückweg hatten wir noch einen Abstecher zur Mission Lukondo geplant, in deren Umgebung die Chinesen nach seltenen Erden graben, weshalb die Regierung die Bevölkerung, welche dort seit Generationen das Land bebaut und Vieh hält. umsiedeln wollte. Nur dank der Mission konnte die Zwangsumsiedlung bis jetzt verhindert werden.
Leider war unsere Reise nach einer guten Stunde Fahrt abrupt zu Ende. Beim Überholen eines Camions gab der Motor ein lautes knackiges Geräusch und der Wagen verlor an Geschwindigkeit. Nachdem Willi das Auto sofort an den Strassenrand manövriert hatte, mussten wir feststellen, dass der Motor massiv überhitzt war trotz normaler Temperaturanzeige und obwohl Willi - wie immer vor einer Reise – Wasser- und Ölstand seriös kontrolliert hatte. Nach Abkühlen konnten wir denn auch feststellen, dass der Wassertank noch voll war, hingegen zeigte sich ein Riss im Keilriemen, der den Ventilator antreibt. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Reise abzubrechen. Zum Glück gibt es jetzt bereits einen Autoabschleppdienst und wir befanden und noch auf einer asphaltierten Durchgangsstrasse. So wurde nach einer 3-stündigen Wartefrist unser Auto aufgeladen. Tarcisio fand in der Führerkabine des Abschleppautos Platz und Willi und ich kletterten nochmals in den Landcruiser und genossen so die Heimfahrt etwas von oben. Dass der von uns festgestellte Schaden nicht die Hauptursache war, stellte anschliessend der Mechaniker fest. Der für die Funktion des Motors verantwortlich Zahnriemen war total zerfetzt und dies obwohl er termingerecht vor einiger Zeit ersetzt worden war. Wieso die entsprechende Alarmanzeige nicht funktioniert hat, bleibt ein Rätsel. So müssen wir nun mit einer grossen Reparatur rechnen. Übrigens die grosse Delle seitlich stammt von einem wahrscheinlich Betrunkenen (wir wissen, dass er vorher in der Bar verkehrt hat), der bei einem Rückwärtsmanöver mit voller Wucht in unser parkiertes Auto geprescht ist und anschliessend mit überhöhter Geschwindigkeit das Weite gesucht hat. Leider bringt eine Anzeige bei der Polizei gar nichts. Gleich wie bei einem Diebstahl oder Einbruch würde alles fein säuberlich protokolliert und dann geschieht weiter nichts mehr. Zudem hätte der Verursacher wahrscheinlich keine Versicherung und fraglich ist auch, ob er das Auto überhaupt gelöst und jemals eine Fahrprüfung absolvierte hat. Man hat manchmal schon das Gefühl, dass das Land immer mehr im Chaos versinkt. In dieser Richtung spricht auch die Tatsache, dass die Mauern, die Privatbesitz und Siedlungen umgeben analog zur Armut erhöht werden.
Andererseits gibt es doch auch wieder positive Beispiele. So unterstützen wir jetzt doch auch junge Burschen, die Elektriker und Informatiker studieren, eine Ausbildung, die vor 10 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Auch Physiotherapie und Laborantin sind nun möglich zu erlernen sowie eine Ausbildung im Bauwesen. Gestern hat sich Willi in er portugiesischen Firma Informationen über Solaranlagen geholt und dabei gesehen, dass daselbst in einem erweiterten Geschäftsraum ein Kurs in dieser Richtung stattfand, der von einer grösseren Gruppe junger Männer besucht wurde. Auch positiv zu bewerten ist, dass das riesige Feld, auf welchem sämtlicher Abfall der Stadt deponiert wurde (Angola hat noch keine Kehrichtverbrennungsanlage) eingeebnet wurde und darauf ein Solarfeld aufgestellt wird.
Für uns heisst es morgen bereits die Rückreise antreten. Ob wir im Frühling ein Jahresvisum erhalten, steht noch in den Sternen. Böse Zungen behaupten, die Regierung hüte sich vor ausländischer Einflussnahme auf die Wahlen im nächsten Jahr, da sie sowieso schon auf wackligen Füssen steht.
Ich werde mich mit einem Rundbrief wieder melden-


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