Sonntag, 27. August 2017
Auf den ersten Blick sind die Wahlen vom vergangenen
Mittwoch friedlich und geordnet verlaufen. Dies der Eindruck hier vor Ort und
auch die Bestätigung der internationalen Beobachter, welche die hervorragende
Organisation und das vorbildliche Verhalten der Stimmenden wiederholt in den
höchsten Tönen lobten. Doch gleich mit diesen internationalen Beobachtern
beginnt die Fassade zu bröckeln. Diese setzten sich nur aus Beobachtern aus
afrikanischen Staaten zusammen und kamen, wie ein Reporter ein portugiesisches
Sprichwort zitierte: alle aus dem gleichen Mehlsack. Die EU hatte ihre
Bereitschaft zur Wahlbeobachtung zurückgezogen, nachdem ihr nicht freier Zugang
zu sämtlichen Wahldestinationen zugestanden wurde. Die ganze Beobachtung wurde
auch dadurch erschwert, dass eine Unmenge von Urnen aufgestellt wurden, also
viele ausserhalb jeglicher Kontrolle sowie dem Umstand, dass einzelne angeblich
auch verloren gingen. Hinzu kam, dass viele Wähler weit entfernt von ihrem
Wohnort ihre Stimme abgeben mussten und deshalb auch ihrer Bürgerpflicht nicht
nachkamen. Der Ort der Stimmabgabe wurde den Registrierten per SMS mitgeteilt,
was die Frage zulässt: was, wenn du keinen Empfang hattest oder dein Handy
nicht geladen oder du gerade nicht im Besitz einer Karte (pre paid) warst. Die
Stimmabgabe war- wie bei vielen Wahlen in anderen Ländern üblich – an den Ort
gebunden, an welchem die Liste mit deinem Namen inkl. Foto auflag und wo du
dann erst den Stimmzettel erhältst. Das führte dazu, dass über eine Million
Registrierte ihre Stimme nicht abgaben. Wie viele dieser unbenutzten
Stimmzettel dann auf die Regierungspartei überschrieben wurden, bleibt wohl ein
Geheimnis. Jedenfalls mutet es befremdend an, dass in der Hochburg der ersten
Oppositionspartei die Regierungspartei 71,4% für sich verbuchen konnte. So
kommt es denn wie es kommen musste, dass sämtliche 5 Oppositionsparteien die
Wahlresultate nicht anerkennen, was nebenbei auch ein schlechtes Licht auf die
afrikanischen Wahlbeobachter werfen dürfte.
Dass die Regierungspartei die meisten Stimmen machen würde
und auch gemacht hat auch wenn sie angeblich in der Hauptstadt massiv verloren
hat, hat nie jemand bezweifelt. Dafür wurden bereits im Vorfeld massive Anstrengungen
unternommen. Der immense Betrag, den diese Partei aus öffentlichen Geldern für
Wahlgeschenke ausgab, wird wohl nie bekannt, ebenso wenig wie die Tatsache, was
bei der Wahlregistrierung (also Monate vor der Wahl) bereits manipuliert wurde.
Wie sonst ist es denn zu erklären, dass in einem grossen Bezirk mit starker Oppositionsbeteiligung
bei der Wahlregistrierung gleichzeitig die Computer abgestürzt sind und das
Procedere nicht wiederholt wurde. Vielleicht wäre es im jetzigen Zeitpunkt auch
etwas verfrüht, wenn eine Oppositionspartei die Wahlen gewonnen hätte, da auch
die stärksten von ihnen nicht genügend gefestigt sind und untereinander oft zu
wenig kooperieren. Zudem liegen die gesamten Finanzen der Regierung vor allem
in privaten Händen dieser Partei und grossteils auch im Ausland. Wie sollte
unter solchen Umständen eine Veränderung resp. Verbesserung möglich sein. Wichtig
wäre jedoch, dass die Regierungspartei nicht mehr die absolute Mehrheit im
Parlament besässe, was bis jetzt der Fall war und alles auf einem
Einparteiensystem mit unbeschränkter Macht des Präsidenten beruhte. Die Wahlen
haben nun ergeben, dass diese Mehrheit mit 61.4% statt der nötigen 67% verloren
ging. Doch spricht die Regierung immer noch von provisorischen Ergebnissen, da
angeblich an 7 kleineren Orten noch nicht abgestimmt werden konnte. Dass bis
dato auch der neue Präsident noch nicht vereidigt wurde und grosses Schweigen
herrscht, deutet auf die Verunsicherung der Regierung, aber auch vor allem
daraufhin, dass irgend ein Schachzug überlegt wird, der zur absoluten Mehrheit
im Parlament führt. Afrikanische Wahlen!!
Im Anhang noch einige Bilder, die ich diese Woche in der
Stadt aufgenommen habe. Sie sprechen zum Teil für sich!
 |
| auch eine Stadtwohnung |
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| Willi beim Einkauf |
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| Snack-Stand |
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| vielleicht findet sich was Brauchbares |
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| Müllentsorgung |
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| Schuhmacher auf dem Gehsteig |
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| Stadtverkehr |
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| Verkauf von pre paid Tel.-Karten |
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| Frau im Hintergrund mit Eierkartons auf dem Kopf |
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| Autowasch während des Parkierens |
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| Schuhverkäufer |
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