Sonntag, 3. September 2017
Nach 5 ½ -stündiger Fahrt – es sind zwar nur knappe 400 km
asphaltierter Strasse, doch lassen einige Strassenabschnitte etwas zu wünschen
übrig – haben wir am vergangenen Sonntag die Küstenstakt Benguela am Atlantik
erreicht. Dort besitzt Juliana ein einfaches Haus in einem eben solchen
Viertel. Nach fast 30-jähriger Tätigkeit für die La Salette Patres verdient sie
es auch, dass wir sie bei der dringend nötigen Hausrenovation etwas
unterstützten. So haben wir uns denn während 4 Tagen voll als Handwerker ins
Zeug gelegt. Allein schon durch den neuen Farbanstrich und einer ansehnlichen
elektrischen Installation sind die Räume kaum mehr zu erkennen und wohnlicher
geworden, auch wenn wir bei Gelegenheit für die Fertigstellung nochmals Hand
anlegen müssen.
Benguela ist im Vergleich zu Lubango eine attraktivere
Stadt; das Zentrum weist breite Geschäftsstrassen mit schönen Häusern und grossen
grünen, mit Palmen bepflanzten Kreiseln auf. Tatsächlich sind die Einkaufsmöglichkeiten
daselbst auch vielseitiger, zudem soll ausserhalb der Stadt ein riesiger Markt
existieren, in welchem sich vor allem die einfache Bevölkerung mit dem nötigen
versorgt. Freilich gibt es auch hier die Strassenverkäufer, die alles Mögliche
anpreisen. Zudem sieht die Peripherie der Stadt nicht anders aus als anderswo;
auch hier ist das Abfallproblem nicht gelöst und es existieren auch hier ganze
Wohnviertel ohne Strom und Wasser. Und eben vor allem der Abfall, so häufen
sich entlang der hinteren Mauer des grossen Friedhofs (in der Nähe von Julianas
Haus) riesige Abfallhaufen, die von Hunden, Seemöven und auch den Ärmsten der
Armen durchwühlt werden. Da die Abfallberge dauernd auch in einem Mottenbrand
stehen, breitet sich entsprechend Rauch und Gestank je nach Wind über die
Gegend aus.
Wir könnten uns einfach nicht vorstellen, so zu leben.
Irgendwie würden wir wohl nach gemeinsamen Lösungen suchen, und so drängt sich
die Frage auf: wieso sind die Menschen hier damit überfordert? Einerseits
spielt sicher die Armut eine Rolle. Wenn du täglich ums Überleben kämpfst,
fehlen dir die Energie und vor allem auch die finanziellen Mittel. Aber
mindestens so ins Gewicht fällt die fehlende Bildung. Wie willst du ohne solche
immer wieder auf den nötigen Amtsstellen vorstellig werden, um Unterstützung
anzufordern. Für die ältere Generation gilt vielleicht auch das „Erbe“ der
Kolonialmächte, während derer Zeit eigenständiges Handeln nicht gefragt war, wenn
nicht gar unterdrückt wurde. Hinzu kommt natürlich der fast 30-jährige Krieg,
während welchem Planung und konstruktives Aufbauen und eben Bildung nicht Platz
hatten, da Tausende immer wieder fliehen mussten. Für die junge Generation
steht die traurige Tatsache, dass sie gar nichts anderes kennen. Sie sind in
diesem Mühl aufgewachsen und stören sich gar nicht mehr daran. Für mich ein
äusserst wichtiger Faktor ist eben auch die erwähnte fehlende Bildung. Wer
macht sich von den Anwohnern auch nur im entferntesten Gedanken darüber, dass
der Rauch der vor sich hin mottenden Abfallberge gesundheitsschädigend sein könnte
oder verschwendet einen Gedanken an die verseuchten Böden? Mich schaudert auch oft,
wenn ich die vielen Marktfrauen am Rand einer belebten Strasse sehe, wo
Tausende von Autos ihre Abgase ausstossen, während die Frauen mit ihren
Kleinkindern (die ja bis 2 Jahre gestillt werden) dasitzen und auf einen Käufer
ihrer Bananen oder Tomaten warten. Keine von ihnen weiss wohl, wie schädlich
diese Abgase für ihre Gesundheit, resp. für die Gesundheit ihres Kindes sind, geschweige
denn, dass auch ihr Verkaufsgut nicht unbedingt den besten Bedingungen
ausgesetzt ist. Es gäbe wohl noch viele solcher Beispiele, wie gestern auch aus
der Erzählung von Tarcisio zu entnehmen. Er besuchte eine abgelegene Siedlung
in den Bergen unserer Umgebung. Laut seiner Aussage leben die Menschen dort einzig
vom Kohleverkauf. Die ganze Gegend sei kahl geschlagen. Dass diese Menschen
damit ihr Land in eine Wüste verwandeln, aus der sie mit der Zeit fliehen
müssen, wollen sie nicht Hungers sterben, dürfte ihnen wohl nicht bewusst sein.
An dieser Stelle möchte ich auch allen herzlich danken, die uns unterstützen in
der Förderung von Frauenbildung, besonders auch in der Ermöglichung vom Besuch
weiterführenden Schulen für junge Frauen.
Während es bei Euch fast sintflutartig regnet, herrscht bei
uns noch völlige Trockenheit. Durch den Staub, der Ende Trockenzeit sich in der
Luft sammelt, erscheint die Sonne als feuerroter Ball morgens am Himmel. Die
violett blühenden Bäume sind jedoch bereits die Vorboten der kommenden ersten
Regenfälle. Auch steigen die Temperaturen allmählich an. Während anfangs August
nachts die Temperaturen noch auf 8°C fielen und wir ganz schön unter die Decke
kriechen mussten, steigen sie jetzt tagsüber bereits wieder auf über 30°C und
auch morgens ist es angenehmer zum Aufstehen.
 |
| Einkauf auf dem Markt an der Strasse nach Benguela |
 |
| Haus von Juliana |
 |
| Wohnviertel (li. Haus von Juliana) |
 |
Jungs (arbeitslos) beim Spielen
und ihrem Erwerb: Benzinverkauf in Flaschen
Töfftaxis halten oft hier |
 |
| Abfall b. Friedhof - Seemöven suchen ihr Futter |
 |
| auch Hunde wühlen im Abfall |
 |
| Wüste östlich von Benguela |
 |
| Steinöde vor Benguela |
 |
| auf dem Weg nach Benguela |
 |
| nur noch wenig Wasser zum Waschen der Wäsche |
 |
| Erste Boten der kommenden Regenzeit |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.