Sonntag, 8. Oktober 2017
Heute habe ich wieder einmal den Küchendienst für unseren
5-Personen-Haushalt übernommen, denn Juliana kocht diese Woche in der
Seminarküche für die 30 Direktoren aus den verschiedensten Seminarien des
Landes, die für eine wöchige Fortbildung hier angereist sind. Doch kaum bin ich
beim Kartoffel raffeln – denn heute gibt es zur Abwechslung mal Rösti -
erscheint der Nachtwächter am Küchenfenster und klagt über Schmerzen in den
Augen, die auch ziemlich gerötet und verklebt erscheinen. Also Unterbruch in
der Küchenarbeit und Wechsel zum tratamento. Zum Glück sind wir seit dem Erhalt
der letzten Sendung von Medior wieder ein wenig ausgerüstet mit den nötigsten
Medikamenten, so dass ich Joaquim eine antibiotische Augensalbe verabreichen
kann. Kaum wieder mit der Raffel beschäftigt, kommt Ana von der Seminarküche
her und bittet um die Kartoffelraffel, die sie dort dringend benötigen. Einen
Augenblick muss sie sich gedulden, sonst gibt’s bei uns auch keine Rösti zum
Zmittag. Zu hoffen ist nur, dass endlich der Container bei uns ankommt mit all
dem Material für die neue Küche. Nächste Woche, wenn der laufende
Fortbildungskurs zu Ende ist, soll mit der dringend notwendigen
Küchenrenovation/Erweiterung begonnen werden.
Neu haben wir einen weiteren Knaben, um den wir uns etwas kümmern
werden und welchen wir am vergangenen Donnerstag zur Therapie ins Kanadische
Missionsspital gebracht haben. Eine benachbarte Ordensschwester hat mich um Rat
gebeten für einen 9-jährigen Knaben aus ihrer Verwandtschaft, der seit einigen Wochen
unfähig sei zu gehen. Der Onkel, bei dem er wohne – seine Eltern habe er vor
einigen Jahren bei einen Verkehrsunfall verloren – habe ihn vor einem Monat ins
Zentralspital gebracht und er wisse nicht, wie’s weiter gehen soll. Der Knabe
machte auf mich einen erbärmlichen Eindruck, hat er doch in etwa das Gewicht
eines 6-jährigen. Dies ist jedoch nicht der Grund seines Leidens, denn die
Röntgenaufnahmen zeigen ein völlig zerstörtes Hüftgelenk als Folge einer
unerkannten und unbehandelten Dysplasie, d.h. also der Hüftkopf war seit Geburt
leicht ausserhalb der Pfanne, was durch die Fehlstellung/-belastung zu einer
extremen Abnützung, resp. Zerstörung des Gelenkes geführt hat. Die einzige Möglichkeit,
je wieder gehen zu können, wenn auch mit einer gewisse Einschränkung, ist laut
dem zuständigen Chirurgen die Versteifung des Gelenkes, was dann auch zur
Schmerzfreiheit führt. Für uns steht freilich ausser Zweifel, dass wir Filipe
diese Operation ermöglichen wollen und wir danken zum Voraus für jegliche
Unterstützung. Freilich bleibt die Frage, wie es so weit kommen konnte. Dazu muss man
sich vorstellen, dass Filipe bei seinem Onkel weit ab jeglicher Zivilisation im
Busch wohnt, der nächste Sanitätsposten vielleicht 30 km entfernt, ebenso ein
ausgebildeter Arzt, der die Ursache seines Hinkens hätte erkennen können,
Hunderte Kilometer entfernt ist. Da wird einfach akzeptiert, was nicht geändert
werden kann oder von dem man meint, es könne nicht geändert werden, sei es
wegen fehlenden Wissens oder oft auch aus finanziellen Gründen; etwas, das mich
manchmal schon fast verzweifeln lässt, wenn ich z.B. auch sehe, wie viele
unbehandelte Klumpfüsse oder Menschen mit anderen im Kindesalter leichter
behandelbaren Missbildungen, herumhumpeln. Wir hoffe jetzt fest, dass Filipe
bald wieder auf eigenen Füssen stehen kann.
Gestern sind wir noch nach Hoque gefahren, in das von uns
gut 60 km entfernte Mädchen-Internat von Sr. Donata. Das Hauptproblem nebst den
engen Platzverhältnissen für die 30 Mädchen besteht darin, dass die Quelle
(eine nicht sehr tiefe Bohrung) jeweils Ende der Trockenzeit versiegt. Der
erste Kostenvoranschlag, den Sr. Donata bei einer Bohrfirma einholte, überstieg
jedoch bei weitem die finanziellen Möglichkeiten, doch liegt auch der
Voranschlag einer uns bekannten Bohrfirma noch einiges über unserer Kapazität.
So fuhren wir denn hin, auch um zu sehen, ob nicht die Möglichkeit bestünde,
das alte Bohloch zu erweitern, resp. weiter in die Tiefe zu führen. Doch
mussten wir feststellen, dass dieses Unterfangen, wie es auch die von uns
kontaktierte Firma begründete, technisch nicht machbar ist. Da das Ende der
Trockenzeit jedoch der optimale Zeitpunkt für Bohrungen ist, um auf Wasser zu
stossen, das durch die ganze Trockenperiode verfügbar ist, entschlossen wir uns
trotz der nicht vollständig vorhandenen finanziellen Mittel die Bohrung zu
iniziieren, vor allem auch nachdem uns die betreffende Firma finanziell und mit
den Zahlungsbedingungen entgegengekommen ist.
Das Gegenteil von trocken erlebten wir diese Woche nach einem Rohrbruch in einer Wand der Küche im Patreshaus, was zur Überschwemmung von Küche und zwei Aufenthaltsräumen führte. Während Willi mit José bohrte und aufspitzte, um das Leck frei zu bekommen, war ich gute 3 Stunden mit Wasser schöpfen und putzen beschäftigt. Bei der geborstenen Leitung handelt es sich um Kupferrohre, die beim Bau der Häuser durch Bauleute von Namibia hier vor über 20 Jahren verwendet wurden, und welche überall ersetzt werden müssten (es ist nicht der erste Rohrbruch), was sich aber kaum realisieren lässt.
| wir werden singend empfangen von einigen Mädchen in Hoque die übrigen sind bei der Feldarbeit |
| wie lassen sich die Probleme lösen? |
| die Mädchen schlafen auf aneinandergereihten Matratzen auf dem Boden unter den Decken im Hintergrund sind ihre Habseligkeiten |
| Gegend in Hoque |
| zufällig bei Hoque angetroffen - Frauenarbeit! |
| im Hintergrund Marktstände in der Nähe von Hoque |
| auch wir decken uns mit Gemüse vom Strassenmarkt ein |
| die armen Viecher werden wohl auch auf den Markt gebracht |
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