Sonntag, 20. Oktober 2019
Wir sind nun endlich in Quinjenje oder Tchinjenje wie es
heute heisst (fast genau 400 km von Lubango entfernt). Zwar ist das neue
Bahnhofsgebäude wieder mit dem ehemaligen Namen Quinjenje beschriftet. Müsste
mal den Administrator (Gemeindeammann) fragen, welche Version denn die
Offizielle sei. Doch wird letzterer uns wahrscheinlich nicht gleich aufsuchen,
denn er hatte uns bei den Feierlichkeiten anlässlich der Primiz von Abel Faria
hoch und heilig versprochen, die miserable Zufahrtsstrasse zu Mission bis zu
unserem nächsten Besuch zu planieren. Wenn‘s eine Skala gäbe für den Strassenzustand,
würde der heutige Wert noch tiefer liegen als im August, gar nicht auszumalen,
wie es wohl Ende der Regenzeit aussehen wird, sofern dann mit dem Auto
überhaupt noch ein Durchkommen möglich sein wird. Doch so leere Versprechen,
auch wenn noch so glaubwürdig vorgetragen, gehören hier öfters zum Alltag. Aber
am letzten Mittwoch war auch für den Camion noch ein Durchkommen möglich, so
dass er kurz nach uns hier eintraf. Nebst Konstruktions- und Küchenmaterial und
dgl. Hatte er auch die neuen Kajütenbetten sowie die Matratzen für das
Knabeninternat geladen. Da musste man die Buben nicht zweimal um Hilfe bitten
beim Entladen, denn sie konnten es kaum erwarten, in den neuen Betten zu
schlafen. Allerdings müssen vorläufig alle zusammen noch in einem
provisorischen Raum schlafen, damit ihre Zimmer und Aufenthaltsraum einer
gründlichen Renovation unterzogen werden können. So arbeitet unsere Handwerker-Equipe
gleich an 3 Baustellen, denn nebst der Renovation im Internat laufen die
Arbeiten auch für den künftigen Sanitätsposten, zu welchem ein ehemaliges
Aussengebäude des Spitals umfunktioniert wird. Schliesslich fehlt auch noch
Vieles im ehemaligen Personalhaus. Doch Schritt für Schritt nimmt es allmählich
Formen an. Unsere Equipe legt sich voll ins Zeug, welches wie die anderen
Gebäude zu Beginn der Bauarbeiten eher einer Ruine glich.
Entsprechend ist auch der Appetit der Mannschaft und da ich
als Köchin „auserkoren“
wurde, obliegt mir die Verantwortung, dass keiner
verhungert. Ich fühle mich wirklich wie eine Lagerköchin mit dem Unterschied,
dass eine solche in der Schweiz wahrscheinlich von einer adäquaten
Infrastruktur profitieren kann und sich nicht den Kopf zerbrechen muss, was sie
auf den Tisch bringen kann. Zum Glück haben wir selbst Einiges an Esswaren
mitgebracht, denn mit dem Wenigen, was es in Quinjenje auf dem Markt zu kaufen
gibt, lässt sich kein Menue herzaubern und ich kann nicht einfach um die Ecke
in die nächste Migros; der nächste Supermarkt liegt im 120 km entfernten Huambo
(ehem. Nova Lisboa). Ein weiterer Unterschied ist vorläufig auch noch das
Duschen. Aber es ist jeweils nur am Anfang, wo es dich etwas Überwindung
kostet, den Eimer voll kaltem Wasser über dich zu schütten, danach wird es zur
Selbstverständlichkeit. Mit der Zeit gewöhnst du dich auch daran, deine
elektrischen Geräte während den Abendstunden zu laden, da sonst kein Strom
vorhanden ist (ausser, wenn die Arbeiter ihren mitgebrachten Generator in
Betrieb setzen). Morgens brauchst du sowieso kein Licht, da wecken dich die
aufgehende Sonne und der Gesang der Vögel.
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