Sonntag, 1. März 2020


Sonntag, 1. März 2020
Ich weiss nicht, ob auch das schöne Wetter dazu beigetragen hat, dass die vergangene Woche ohne grosse Ereignisse vorbei gegangen ist. Freilich würde ein Aussenstehender dies vielleicht anders beurteilen und auch für uns ist es manchmal etwas schwierig, auch alltägliche Dinge einzuordnen, resp. auch einen Sinn dahinter zu erkennen. So konnte sich unser Mitarbeiter Nito auf der Fahrt zum Einkaufen nach Huambo kaum sattsehen an den vielen Maisfeldern, während für uns ins Auge fiel, dass kaum etwas anderes in dem noch zur Verfügung stehenden gutem Boden angepflanzt wurde. Auch wenn wir ihm erklärten, dass die Nahrungsaufnahme nur von Mais zu einer einseitigen Ernährung führe und wie wichtig deshalb eine ausgewogene Ernährung auch durch Aufnahme von vitaminhaltigen Produkten sei, war er ganz überwältigt von den vielen Maisfeldern, die garantieren würden, dass nächstes Jahr kein Hunger ins Haus stünde. Tatsache ist einfach, dass sich viele Menschen auf dem Land vorwiegend von Mais und Trockenbohnen ernähren. Gepflügt werden die Äcker mit von Ochsen gezogenen Pflugscharren, die nicht tief greifen, was dazu führt dass die Saat bei starken Regenfällen weggeschwemmt wird oder bei anhaltender Trockenheit verdorrt. Der Rest ist Handarbeit mit der Hacke, vor allem den Frauen vorbehalten. 

Wie hart das Leben der Frauen auf dem Land ist, zeigt sich auch, wenn du näher mit ihnen in Kontakt kommst. In letzter Zeit kommen täglich Patienten vor allem mit Malaria, Husten und Durchfall hierher, weil sich herumgesprochen hat, dass sie hier Hilfe bekommen. Wenn ich die Frauen nach ihrem Alter frage, erschrecke ich manchmal selbst, welches jugendliche Alter sich hinter den abgerackerten Gestalten verbirgt. Wenn ich dann bedenke, wie sie täglich auf dem Feld arbeiten, Wasser schleppen und noch für die ganze Familie sorgen müssen und bei Krankheiten, Schwangerschaften und Geburten kaum medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen können, erstaunt es wenig, dass sie so „verbraucht“ sind. Dazu kommt, dass sie seit früher Jugend entweder ein Kind auf dem Rücken tragen, welches gestillt werden will oder das nächste unter dem Herzen. Es ist schon klar, dass für den Afrikaner die Familie viel bedeutet, doch sehr oft liegt die Last nur auf den Schultern der Frau. Und dann stellt sich schon die Sinnfrage hinter einer solchen Lebensweise. Wie lange wird es noch dauern, bis die Frau auch den Stellenwert erhält, der ihr zusteht? Ich kann auch nicht abschätzen, wie gross die psychische Belastung der afrikanischen Frau ist, wenn ein Kind erkrankt und sie keine Aussicht auf medizinische Behandlung hat oder ein Kind gar stirbt, was hier ja noch sehr häufig ist. Die Antwort auf die Frage, warum ein Kind gestorben sei, ist praktisch immer die gleiche: „Es war krank“ – dies im Zeitalter von hightech-Medizin!! Leider gehen auch meine mitgenommenen Medikamente zur Neige, und es ist dann auch für mich nicht einfach, die Leute einfach zu vertrösten. Freilich gibt es oft ein paar Hausmittel, die man aufzeigen kann. Doch wenn die erste Mutter, der du rätst dem Kind Bananenbrei zu geben sagt, dass sie zuhause keine Bananen hat und die nächste über keinen Zucker verfügt, um einen Hustensirup aus Zwiebeln herzustellen, wird es schwierig.  

Dass im Landesinnern noch sehr Vieles im Argen liegt, zeigt ein Beispiel von P. Henrique vom letzten Sonntag. Er ist weit hinter den Berg in ein Dorf gefahren, welches letztmals im Jahre 1974 von einem Pater besucht worden war. Tatsächlich haben viele Dorfbewohner u.a. vor allem die Kinder noch nie ein Auto gesehen und die Kinder hätten es vorsichtig mit der Hand berührt!!!

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