Sonntag, 15.September 2024
Die vergangenen Tage
waren u.a. gefüllt vom Klicken der Schere, welche die Betttücher von den
Stoffballen schnitt und dem Rattern der Nähmaschinen, an welchen sie zu Fixleintüchern
verarbeitet wurden für das Knabeninternat der Missionsstation Malongo. Und wie
immer wartete auch verschiedene zerrissene Kleidungsstücke darauf, wieder in
einen tragbaren Zustand versetzt zu werden. Morgen werden auch die von unserem
Schlosser und Dachdeckermeister Belchior angefertigten Kajüttenbetten
geliefert, welche unser Maler Papusecco noch streichen wird. Letzterer hat uns
vergangene Woche um Unterstützung gebeten zur Finanzierung seiner
bevorstehenden Hochzeit, allerdings hat er schon längst eine Familie. Doch
mussten wir ihm klar zu verstehen geben, dass wir dafür kein Geld ausgeben
können, wir könnten ihm jedoch wieder etwas Arbeit verschaffen, was er sofort
akzeptierte. So streicht er nun die Betten und wird anschliessend noch in zwei grossen Räumen die Malerarbeiten
durchführen, was er bis anhin immer sehr perfekt (in Afrika nicht unbedingt
üblich) und rasch durchgeführt hat. Die erwähnten Räume wurden während er
letzten Regenzeit infolge eines defekten Daches stark in Mitleidenschaft
gezogen. Da auch das wiederholte Ausbessern des Daches ein nur ungenügendes Resultat
brachte, wird dasselbe ebenfalls nächste Woche ersetzt.
Ausserdem haben wir noch
einige weitere Schüler/StudentInnen in unsere Liste aufgenommen, was wiederum
auch mit Gesprächen verbunden war. So unterstützen wir nun auch Fernando (unser
ehemaliges Verbrennungskind). Nicht, dass er nun ein ausgezeichneter Schüler
wäre, doch wollten wir vermeiden, dass er mit seinen 14 Jahren nun ohne
irgendwelche Perspektive auf der Strasse steht, was auch die grosse Angst
seiner Mutter war, die als Witwe die ganze Familie zu versorgen hat und niemals
das Schulgeld für eine weiterführende Schule hätte aufbringen können. Zu den
Ausgaben für Schulgeld, Uniformen, Transport etc. kommen in den oberen Klassen
nun zusätzlich die Auslagen für ein Handy, das über Internet verfügt, was kostenmässig
bereits 2-3 Monatsgehalte einer Haushalthilfe oder Waschfrau übersteigt, nicht
eingerechnet noch die Kosten für die vielen Kopien, die die Schüler anfertigen
müssen, da es kaum verfügbare Schulbücher und Unterlagen gibt. Deshalb ist auch
das Natel Bedingung, damit die Schüler im Internet die nötigen Informationen
abrufen können. Bei den staatlichen Schulen kommt es auch nicht selten vor,
dass die Lehrer aus Bequemlichkeit den Unterricht online durchführen oder Aufgaben
durch Recherchen im Internet verordnen.
Vielleicht noch eine
kleine Anmerkung zum Umgang mit diesem technischen Fortschritt. Es ist ja
bekannt, wie auch viele Eltern in der Schweiz Mühe bekunden, den Überblick,
resp. die Kontrolle ihrer Kinder im Umgang mit dem Natel nicht zu verlieren. In
Afrika kommt nun ein weiteres Problem dazu, nämlich, dass die meistens Eltern gar
keine Erfahrung in dieser Beziehung haben, deshalb auch kaum über Gefahren in
diesen Medien wissen. Dazu kommt der finanzielle Aufwand, muss doch der
Internetzugang Prepaid bezahlt werden.
À propos Handy wäre noch
zu ergänzen, dass diese Technik auch unter der einfachen Bevölkerung Einzug
gehalten hat. So besitzen heute auch einfache Arbeiter, Hauhaltangestellte oder
Marktfrauen ein ganz einfaches Exemplar, mit welchem sie Anrufe tätigen und
entgegennehmen können. Nicht selten müssen sie den Kauf buchstäblich vom Mund
absparen. Oft wird es dann auch am Arbeitsplatz aufgeladen, sofern sie zuhause
nicht über einen Stromanschluss verfügen. Noch öfters wird ein Anruf nach dem
zweiten Ton gleich abgebrochen, was bedeutet, dass der Empfänger zurückrufen
soll, weil der Anrufer kein Geld mehr geladen hat (alles Prepaid-Karten). Den
Marktfrauen entsteht durch das Handy der Vorteil der Preisabsprache, vor allem
bei Fischprodukten. Noch ein erwähnenswertes Problem, das sich durch die neue
Technik ergeben hat: Bis vor einigen Jahren wurden nur Staatsangestellte in
einer Sozialkasse (vgl. AHV) versichert. Jetzt können sich auch andere Personen
einkaufen und anschliessend ihren Monatsbeitrag bis zur Pension einzahlen. Sie
erhalten jedoch monatlich per Whats App den Avis für den einzubezahlenden
Betrag mit dem entsprechenden Code. Fact: Ohne Handy keine Rente!
Einen eindrücklichen und schönen Aufsteller durften wir gestern erleben. Elisabeth hat und zum Mittagessen eingeladen, und zwar an einem aussergewöhnlichen Ort. An einem Hang oberhalb der Stadt besitzt eine aus Kanada stammende ehemalige Missionarin der evangelischen Mission ein Haus, welches sie selbst erbaut und bis heute immer wieder ein wenig ausbaut, mit einem grossen Umschwung im steil abfallenden Gelände. Sporadisch kocht sie für Gäste, die gerne ein wenig zusammensitzen auf Voranmeldung verschiedene Menues. Zurzeit weilt sie allerdings in Kanada, hat jedoch ihrer einheimischen Hausangestellten, einer sympathischen jungen Frau, die auch das Haus während ihrer Abwesenheit betreut, die Infrastruktur zur Verfügung gestellt. So führt diese initiative Frau die Tradition ihrer Chefin während derer Abwesenheit weiter und hat uns gestern im etwas verwilderten, aber sehr romantischen Plätzchen im Garten ein wirklich fantastisches Menü serviert. Es hat sich wieder einmal bestätigt, wieviel Talente bei vorhandenen Möglichkeiten sich entfalten lassen.

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