Ostersonntag, 5. April 2026
Bei uns scheint zurzeit die Sonne, was nicht heisst, dass die Regenzeit ganz vorbei ist. Täglich ist es nebst sonnigen Intermezzos oft bewölk mit zwischendurch heftigen Regenschauern, was viele Menschen, die in mit Sandblöcken gebauten Häusern leben etwas bangen lässt, ob die durchnässten Mauern auch standhalten. So hat uns auch Gabriel erzählt, dass vor 2 Wochen nach 24 Stunden ununterbrochenen Regens eine Mauer seines Hauses mitsamt dem Dach eingestürzt sei.
Von all diesen Belastungen u.a. auch der Sorge um das alltägliche Leben infolge der anhalten Inflation, war an der gestrigen Osternachtfeier nichts zu spüren Mit grosser Begeisterung erklang das Halleluja und die Menschen wünschten sich mit echter Fröhlichkeit frohe Ostern.
Und weil an Ostern ja Tod und Leben so nah beieinander liegen, möchte ich gerne ein diesbezügliches Thema aufgreifen, dass ich zwar bereits früher einmal erwähnt habe, welches aber von Bedeutung ist, da es in den Entwicklungsländern viele Frauen betrifft. Es handelt sich dabei meist um sehr junge Frauen, oft auch Mädchen, die ohne die Möglichkeit einer Schwangerschaftskontrolle anschliessend auch bei der Geburt ohne ausgebildete Assistenz, geschweige ärztliche Begleitung in abgelegenen Regionen auf sich selbst gestellt sind. Da der Geburtskanal zu eng ist (manchmal auch wegen des jugendlichen Alters oder einfach vom Körperbau her), bleibt das Kind im Geburtskanal stecken, was meist auch zum Tod des Bébés führt. Zudem führt der Druck auf die Wand zwischen Scheide und Blase (manchmal auch zwischen Scheide und Dickdarm) zu einer Verletzung (Ruptur), so dass anschliessend der Urin unkontrolliert durch die Scheide abfliesst. Diese Frauen werden dann oft durch die Gesellschaft gemieden, freilich auch wegen des Geruchs. Abgesehen von den schier unerträglichen Schmerzen, welche eine Frau bei einer solchen Geburt über Stunden erleiden muss, kann nur eine spezialisierte Operation (manchmal auch mehrere) der Frau zu einem neuen Leben verhelfen, ein Leben auch in der Akzeptanz der Umgebung.
Auf das Thema bin ich wieder gestossen, weil die Nichte von Juliana letzte Woche deswegen im hiesigen evangelischen Missionsspital Cristo Rei operiert worden ist. Dort existiert ein eigener Pavillon für solche Frauen. Auch unsere Schweizer Kollegin Rebecca, selbst Gynäkologin kommt jedes Jahr für 2 Wochen hierher, um das Operationsteam bei diesen Operationen zu unterstützen. Zum Glück gibt es eine weltweite Organisation, welche solche Operationen finanziell übernimmt. Leider wissen viele Frauen in abgelegenen Regionen nichts davon. Wie auch die Nichte von Juliana, die nach der Geburt über 2 ½ Jahr unter diesen Folgen litt. Sie erzählte mir ihre Geschichte:
Da die Geburt nach Stunden nicht weiterging, zimmerten Angehörige eine Trage aus Ästen und trugen die sich von Schmerzen windende Frau über eine Stunde über eine zerklüftete Gegend, von wo sie mit einem 3-Radgefährt weitere 3 Stunden über holprige Strassen ins Spital Cubal gebracht wurde. Von dorrt ging es mit der Ambulanz weiter Richtung Benguela an der Küste, Fahrt wieder gute 3 Stunden. Auf halbem Weg schien die Frau zu sterben, weshalb bei einer grösseren Krankenstation in Caimbambo Halt gemacht wurde, wo der Patientin Infusionen verabreicht wurden bis sie halbwegs transportfähig nach Benguela war, wo sie im Spital vom Kind entbunden und selbst verarztet wurde.
Auf Nachfrage wurde mir versichert, dass solche Schicksale zum Alltag in abgelegene Regionen gehört. Ich kann mich selbst erinnern, dass auf die Missionsstation Malongo ein Mopetfahrer gefahren kam mit einer Frau auf dem Sozius, , die nicht gebären konnte. Nur ein kleines Ärmchen, das herausschaute, zeigte an, dass ein Kind das Licht der Welt erblicken wollte.
Hoffen wir, dass durch Aufklärung künftig viele solcher Tragödien verhindert werden können.
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