Sonntag, 24. September 2017
Das Wochenende wurde resp. wird immer noch dominiert vom La
Salette-Fest, welches noch bis Sonntag Abend dauert. Es ist schon eindrücklich,
ein grosses afrikanisches Fest mitzuerleben, insbesondere zu sehen, mit welcher
Intensität und Begeisterung daran teilgenommen wird. Während wir ganz gerne auch
mal zu einem Fest gehen und es daselbst mit Freunden bei einem Glas gemütlich
haben, haben diese Events bei uns mehrheitlich doch nicht diesen sozialen
Stellenwert. Dies beginnt bereits bei den Vorbereitungen, d.h. vorerst bei den
Reinigungsarbeiten. Auch wenn der Angolaner beim Putzen wirklich nicht den
ersten Platz einnimmt, werden dann doch vorgängig eines solchen Festes alle
später belegten Räume gekehrt. Da zu dieser Putzequipe sowohl die eigenen
Novizen wie auch einige des benachbarten Kapuzinerklosters als auch die
Anwärterinnen und einige Schwestern des nahe gelegenen Schwesternordens zählen,
ergib es eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft, bei welcher eine natürliche
Fröhlichkeit besteht, die auch kein Konkurrenzdenken aufkommen lässt. Aber auch
Frauengruppen aus anderen Stationen sind seit Donnerstag am Werk, um die vielen
Kochutensilien und zusätzliches Essgeschirr sowie die übergrossen Pfannen aus
dem Container zu schleppen und zu waschen und um auch die nötigen Feuerstellen
im Freien einzurichten. Auch bei diesen Gruppen spürt man, dass der soziale Austausch
eine wichtige Rolle spielt und daher auch die zu verrichtenden Arbeiten mit
einer Fröhlichkeit und Lockerheit von der Hand gehen. Dass daneben einige
Hühner mehr am Gackern sind und auch
einige Ziege das letzte Gras um die Bäume abfressen an welche sie angebunden
sind, um auf ihr letztes Stündchen zu warten, gehört zum Bild ebenso wie die
Ochsen, die der Pater für das Fest hergeholt hat. Die Equipe der Männer, die
sich mit der Schlachtung der Tiere beschäftigten, habe ich diesmal nicht
besucht (könntest dann eher zu Vegetarier werden, sofern du’s nicht schon bist);
doch auch ihnen geht es vordergründig um das Zusammensein weshalb sich auch
diese gemeinsame Arbeit schätzen.
Für uns, d.h.vor allem für Willi war es ebenfalls eine recht
intensive Zeit, da doch die angefangenen Reparaturarbeiten einigermassen
abgeschlossen werden mussten. Dazu kam dann noch manch Unvorhergesehenes, wie
Reparatur eines Wasserhahns oder zusätzlicher Wasseranschluss für die Frauen im
Feld, die bis weit in die Nacht mit Arbeitsvorbereitungen für die Mahlzeiten
beschäftigt waren, was auch noch eine zusätzliche Beleuchtung für den
Aussenbereich erforderte, da zudem unerwartet viele Pilger zum Fest erschienen.
Die Umgebung des Zentrum erinnert mit den vielen kleinen Zelten fast an ein
Open air-Gelände. Alles gleicht das Ganze zeitweise wie ein Bienenhaus, vor
allem auch in der zurzeit noch nicht für solche Grossanlässe eingerichteten
Küche. Was wir als nicht überschaubares Chaos interpretieren, stellt sich auf
„wunderbare“ Weise schlussendlich doch meistes als produktive Arbeitsweise dar,
wenn alle vor den überfüllten Tellern sitzen. Das Letztere dürfte dann doch
ausserhalb des sozialen Treffpunkts mit ein Grund sein für die Teilnahme am
Fest, denn zuhause ist der Teller ja nicht immer prall gefüllt.
Doch steht immer wieder die Freude über das Wiedersehen im
Vordergrund, sei es bei den La Salette-Patres, die im ganzen Land verstreut
arbeiten oder auch bei den vielen Pilgern, die ebenfalls von überall weite Wege
auf sich genommen haben. Dass für sie diese Reise wirklich einer Pilgerfahrt
gleich kommt, hat sich in der Nacht auf Samstag gezeigt, in welcher bis 4 Uhr
morgens gesungen und gebetet wurde. In der Nacht auf den Sonntag war dann eher
Gesang und Tanz angesagt.
Ein Aspekt, der uns Europäer eher etwas fremd anmutet, ist
auch der Respekt (bis zur Unterwürfigkeit) gegenüber hierarchisch höher
gestellten Persönlichkeiten. So darf einem Älteren nicht widersprochen werden
und wahrscheinlich eben aus Respekt vor höher gestellten Persönlichkeiten wurde
deshalb am Samstag auch ohne Kommentar das Programm umgestellt, denn da sollte
um 9 Uhr der Festgottesdienst unter dem Vorsitz eines Bischofs stattfinden;
doch dieser hat abends zuvor sein Flugzeug verpasst und musste somit den Flug
vom Samstagmorgen abwarten. Doch leider war dieser massiv verspätet, was ja
keine Ausnahme im Land ist, so dass die grosse versammelte Festgemeinde
vergeblich auf den Bischof wartete. Als nach langer Wartezeit feststand, dass
dieser erst nach dem Mittag eintreffen werde, wurde die Versammlung aufgelöst
und der Gottesdienst auf 16 h angesetzt! In der Schweiz wohl kaum vorstellbar.
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| Zeltstadt |
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| Pilger versorgen sich selbst |
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| Vorbereitung - auch der Ochse musste daran glauben |
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| Vorbereitung im Freien - Küche bietet nicht genügend Platz |
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| der renovierte Esssaal vom Bildungszentrum |
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Nicht alle geladenen Gäste haben drinnen Platz
einer Herausforderung für uns - das Anbringen eines Schattendachs
dies bei heftigem Wind |
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| Arbeit in der Küche |
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| zusätzliche Küche im Freien |
Vorbereitung zum Gottesdienst
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